Berlin, 05. Mrz (Reuters) - In der deutschen Binnenwirtschaft dürfte es laut Bundesbank 2026 langsam wieder aufwärtsgehen. Zusätzliche Ausgaben für Verteidigung und Infrastruktur ließen die Nachfrage der öffentlichen Hand stark steigen, erklärte Bundesbankchef Joachim Nagel am Donnerstag. Auch die private Nachfrage dürfte langsam Fahrt aufnehmen. Kräftig steigende Löhne schafften hierfür Spielraum. "Dadurch verstärkt sich das Wirtschaftswachstum ab dem zweiten Quartal merklich. Für das Gesamtjahr könnte es aus heutiger Sicht leicht höher ausfallen als in unserer Deutschland-Prognose vom Dezember erwartet", fügte Nagel hinzu. Das liege vor allem an einem höheren Ausgangsniveau. Denn im Schlussquartal 2025 sei die Wirtschaft überraschend stark gewachsen. Im Dezember hatte die Bundesbank für das Bruttoinlandsprodukt ein Plus von 0,9 Prozent für 2026 vorausgesagt.
Die expansive Fiskalpolitik schiebe die Konjunktur deutlich an, sagte Nagel. "Wir schätzen den Gesamteffekt durch zusätzliche Verteidigungs- und Infrastrukturausgaben bis 2028 auf 1,3 Prozentpunkte des Wirtschaftswachstums." Damit diese Impulse aber auch längerfristig auf einen steileren Wachstumspfad führten, bedürfe es flankierend weiterer struktureller Reformen.
Mit Blick auf den Nahost-Konflikt sagte Nagel, die wirtschaftlichen Folgen des Kriegsgeschehens hingen stark davon ab, wie lange die Auseinandersetzungen anhielten. Bei einem zügigen Ende der Kämpfe sowie einer politischen Einigung und allenfalls minimalen Schäden an der Energieinfrastruktur der Region könnten die Energiepreise bald wieder sinken. Die Folgen für die Inflation wären dann kurzfristig und insgesamt überschaubar. "Sollten die Energiepreise hingegen für eine längere Zeit erhöht bleiben, würde dies im Euroraum tendenziell zu einer höheren Inflation und einer schwächeren Konjunktur führen", sagte Nagel. Es sei derzeit noch zu früh, aus der volatilen Lage geldpolitische Schlussfolgerungen zu ziehen: "Wir sind gut beraten, die Auswirkungen auf unser mittelfristiges Inflationsziel sorgfältig zu analysieren."
(Bericht von Reinhard Becker, redigiert von Christian Rüttger. Bei Rückfragen wenden Sie sich bitte an unsere Redaktion unter berlin.newsroom@thomsonreuters.com (für Politik und Konjunktur) oder frankfurt.newsroom@thomsonreuters.com (für Unternehmen und Märkte).)