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09.04.2026 /11:06:18
FOKUS 1-Österreichs Raiffeisen Bank greift nach Balkan-Institut Addiko

(neu:Analysten, Hintergrund)
 
*RBI bietet 23,05 Euro je Addiko-Aktie
 
*RBI will Geschäft in Kroatien, Slowenien und Österreich
behalten
 
*Weitere Töchter sollen an serbische Alta Group verkauft
werden
 
Wien,09. Apr (Reuters) - Die Raiffeisen Bank
International (RBI) treibt ihre Expansion in Osteuropa
mit dem zweiten Zukauf innerhalb kurzer Zeit voran. Das Institut
kündigte in der Nacht auf Donnerstag ein Übernahmeangebot für
die in Südosteuropa tätige Addiko Bank an. Die RBI
bietet23,05Euro je Aktie in bar, was die Bank mit rund 20
Prozent über dem von der RBI ermittelten Eigenkapitalwert
bewertet. Bei rund 19,5 Millionen ausstehenden Aktien entspricht
das Angebot einer Gesamtbewertung der Addiko Bank von rund 450
Millionen Euro. Analysten der Erste Group begrüßten den Schritt,
da die RBI damit ihre Kernmärkte stärke und die Abhängigkeit vom
umstrittenen Russland-Geschäft verringere. Details zur Strategie
dürfte das Management auf der Hauptversammlung am Donnerstag in
Wien nennen.

Die in Wien ansässige Addiko ging aus Teilen der früheren Kärntner Bank Hypo Alpe-Adria hervor, die nach ihrer Pleite im Jahr 2009 zerschlagen wurde. Seit ihrem Börsengang 2019 stand das Institut mit seiner fragmentierten Aktionärsstruktur ohne Mehrheitseigentümer insbesondere wegen des Balkan-Geschäfts wiederholt im Visier verschiedener Investoren.

Im Zuge der nun geplanten Transaktion, die an eine Mindestannahmequote von mehr als 75 Prozent geknüpft ist, strebt die RBI eine Aufspaltung an. Das Geschäft in Kroatien, Slowenien und Österreich will die RBI behalten. Erste-Group-Analysten zufolge ist die kroatische Tochter das Kernstück, das den größten Ergebnisbeitrag liefere und die Wettbewerbsposition der RBI dort stärke. Die Töchter in Serbien, Bosnien und Herzegowina sowie Montenegro sollen hingegen an die serbische Alta Group verkauft werden.

Der Abschluss wird für das vierte Quartal 2026 erwartet. Die Transaktion dürfte die harte Kernkapitalquote des RBI-Konzerns ohne das Russland-Geschäft zunächst um rund 45 Basispunkte belasten, was sich nach dem für Ende 2027 geplanten Verkauf der Balkan-Töchter auf rund zehn Basispunkte verringern soll.

WACHSTUM ABSEITS VON RUSSLAND

Für die RBI ist die Addiko-Offerte ein weiterer Schritt, um das Wachstum abseits von Russland wieder in den Mittelpunkt zu rücken. Das Institut prüft seit dem russischen Einmarsch in die Ukraine einen Ausstieg aus dem Land, kommt damit bislang jedoch nicht voran. Das lange Zeit äußerst lukrative Russland-Geschäft brachte der Bank einen Großteil der Konzerngewinne ein, schüttet wegen der Sanktionen derzeit aber keine Dividenden aus. Nach einer jahrelangen Übernahmepause hatte RBI-Chef Johann Strobl bereits Ende Januar neue Zukäufe in Aussicht gestellt. Erst Ende März kündigte die Bank den Kauf des Rumänien-Geschäfts der spanischen BBVA für 591 Millionen Euro an, womit die RBI zur drittgrößten Bank des Landes aufsteigt.

Die Annahmefrist für die Addiko-Aktionäre soll zehn Wochen betragen. Laut Analysten drückt das Aufspaltungsmodell den Preis, da eine Einzelbewertung der Westbalkan-Teile höher ausfiele. Als Hürden gelten die behördlichen Genehmigungen sowie das Erreichen der Annahmequote.

(Bericht von Alexandra Schwarz-Goerlich, redigiert von Philipp Krach. Bei Rückfragen wenden Sie sich bitte an unsere Redaktion unter berlin.newsroom@thomsonreuters.com (für Politik und Konjunktur) oder frankfurt.newsroom@thomsonreuters.com (für Unternehmen und Märkte).)

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