Mailand/London/Athen, 20. Feb (Reuters) - Nach Explosionen an einem Öltanker vor der Küste Italiens hat die Staatsanwaltschaft Terrorermittlungen eingeleitet. Der Schiffsdatenschreiber sei sichergestellt worden, sagte der Generalstaatsanwalt von Genua, Nicola Piacente, am Donnerstag der Nachrichtenagentur Reuters. Zwei Detonationen hatten demnach am Rumpf der "Seajewel" unterhalb der Wasserlinie einen 70 mal 120 Zentimeter großem Riss verursacht. Der Vorfall ereignete sich am vergangenen Samstag, als das Schiff vor Savona-Vado vor Anker lag. Von dem rund 60 Kilometer westlich von Genua gelegenen Hafen starten auch Fähren nach Korsika und Sardinien. Laut Schiffsbetreiber besteht keine Gefahr für die Umwelt.
Insgesamt wurden in den vergangenen Wochen bei getrennten Vorfällen im Mittelmeer drei Öltanker durch Explosionen beschädigt. Die Ursache ist jeweils unbekannt. Insidern und Schiffsverfolgungsdaten zufolge hatten alle drei Schiffe vor kurzem russische Häfen angelaufen. In Schifffahrtskreisen hieß es zuletzt, die Vorfälle böten zunehmend Anlass zur Sorge.
Die "Seajewel" wird von der griechischen Reederei Thenamaris betrieben. Das Unternehmen teilte am Mittwoch mit, der Rohöltanker habe seinen üblichen Betrieb noch am Samstag eingestellt. Auch bei einem weiteren Öltanker von Thenamaris, der "Seacharm", gab es einen Vorfall, der laut Reederei nun von den griechischen Behörden untersucht wird. Einem Insider zufolge wurde die "Seacharm" durch eine Explosion beschädigt, als sie Ende Januar vor dem türkischen Mittelmeerhafen Ceyhan vor Anker lag. Laut Thenamaris fährt die "Seacharm" inzwischen wieder.
Bei einem dritten Vorfall wurde Insidern zufolge im Februar ein unter der Flagge Liberias fahrender Chemie- und Öltanker beschädigt. Die "Grace Ferrum" liegt Schiffsverfolgungsdaten zufolge vor der libyschen Küste. Insidern zufolge muss das Schiff geborgen werden. Der in Zypern ansässige Schiffsbetreiber Cymare war zunächst nicht für eine Stellungnahme zu erreichen.
Dass Handelsschiffe im zentralen Mittelmeer durch Detonationen beschädigt werden, war zuvor Jahrzehnte lang nicht vorgekommen. Im Dezember sank dann das russische Frachtschiff "Ursa Major" vor Spanien, nachdem der Maschinenraum durch eine Explosion zerstört worden war. Laut russischem Außenministerium werden zwei Besatzungsmitglieder vermisst. Der Betreiber, der Verbindungen zum russischen Verteidigungsministerium hat, sprach damals von einem Terrorakt. Der Schiffsbetreiber und der Frachter selbst waren mit US-Sanktionen belegt.
(Bericht von Jonathan Saul, Renee Maltezou, Emilio Parodi, Yannis Souliotis, Michele Kambas und Francesca Landini, geschrieben von Elke Ahlswede, redigiert von Kerstin Dörr. Bei Rückfragen wenden Sie sich bitte an unsere Redaktion unter berlin.newsroom@thomsonreuters.com (für Politik und Konjunktur) oder frankfurt.newsroom@thomsonreuters.com (für Unternehmen und Märkte).)