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Zoll- und Zinssorgen sowie Gewinnmitnahmen bremsen Rally aus
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EZB-Direktorin Schnabel spricht über Stopp der Zinssenkungen
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Trumps Zölle drücken Autowerte - Rüstungsaktien weiter gefragt
(Neu: Schlusskurse) |
Frankfurt, 19. Feb (Reuters) - Europas Anleger haben |
angesichts von Zoll- und Zinssorgen zur Wochenmitte Kasse |
gemacht. Der Dax <.GDAXI> gab 1,8 Prozent auf 22.433 Punkte nach. |
Zunächst hatte er noch ein Rekordhoch bei bei 22.935,06 Zählern |
markiert, bis die zunächst ausgeblendeten Zolldrohungen von |
Präsident Donald Trump auf die Stimmung schlugen. Auch der |
EuroStoxx50 <.STOXX50E> drehte ins Minus und verlor 1,2 Prozent. |
An den US-Börsen übten sich die Investoren ebenfalls in |
Zurückhaltung: der Dow-Jones-Index lag 0,3 Prozent tiefer. |
Trump will möglicherweise im April Zölle von "in der Nähe von 25 Prozent" auf importierte Autos erheben. "Aufgrund des immensen Handelsvolumens haben diese Zölle grundsätzlich das Potenzial, die europäische Wirtschaft zu schwächen", sagte Thomas Gitzel, Chefökonom der VP Bank. "Dies gilt insbesondere für Deutschland." Zugleich haben die USA China im vergangenen Jahr vom ersten Platz in der Rangfolge der wichtigsten Handelspartner Deutschlands verdrängt, wie das Statistische Bundesamt mitteilte.
Portfoliomanager Sandy Villere vom Vermögensverwalter Villere & Co begründete die Kursverluste auch mit den hohen Preisen. "Wir haben das Gefühl, dass der Markt ziemlich teuer geworden ist", sagte der Experte. "Ich glaube, die Leute versuchen immer noch, alles zu verdauen. Und damit meine ich nicht nur die Zölle und deren mögliche Auswirkungen, sondern auch die Bewertungen der Aktien." Der Dax ist 2025 bislang um fast 15 Prozent gestiegen, während die wichtigsten US-Indizes <.SPX> <.IXIC> um gut vier bis knapp fünf Prozent zugelegt haben. Aus technischer Sicht komme eine Unterbrechung der Rally zur rechten Zeit, sagte Konstantin Oldenburger von CMC Markets. Der Dax könnte Richtung 21.800 Punkte abfallen, "ohne dass am Aufwärtstrend etwas kaputtgeht."
Für Zurückhaltung an den Börsen in Europa sorgten zudem die jüngsten Aussagen aus der Europäischen Zentralbank (EZB). Die Notenbank muss aus Sicht ihrer Direktorin Isabel Schnabel mit der Debatte darüber beginnen, wann sie ihren Zinssenkungskurs pausieren oder stoppen sollte.
Unter Druck gerieten angesichts der Zolldebatte die Aktien aus dem Automobilsektor. Porsche AG <P911_p.DE>, BMW <BMWG.DE>, Mercedes-Benz <MBGn.DE> und Volkswagen <VOWG_p.DE> verloren zwischen 2,3 und 3,6 Prozent. Der europäische Automobil-Branchenindex <.SXAP> gab 1,4 Prozent nach.
Aus den Depots flogen auch MTU Aero Engines <MTXGn.DE>. Die Titel des Münchner Triebwerksherstellers büßten trotz eines operativen Milliardengewinns für das abgelaufene Geschäftsjahr fünf Prozent ein. Der operative Mittelzufluss (Free Cash-flow) lag unter den Erwartungen der Börsianer.
An der Börse in Amsterdam sorgte Philips <PHG.AS> für Gesprächsstoff. Der niederländische Medizintechnikkonzern erwartet wegen der unverändert schleppenden Nachfrage in China auch in diesem Jahr ein verhaltenes Wachstum. Die Titel rutschten um rund elf Prozent ab.
Glencore vergraulte die Anleger mit einer enttäuschenden Gewinnentwicklung. Niedrigere Kohlepreise belasteten das Ergebnis in 2024. Die Aktien des Bergbau- und Rohstoffhändlers brachen in London um 7,3 Prozent ein. Das setzte auch den Minenwerte-Sektor <.SXPP> insgesamt unter Druck, der mit einem Minus von 2,3 Prozent größter Branchenverlierer in Europa war.
(Bericht von Anika Ross, Zuzanna Szymanska, redigiert von Birgit Mittwollen. Bei Rückfragen wenden Sie sich an unsere Redaktion unter berlin.newsroom@thomsonreuters.com)