Berlin, 19. Feb (Reuters) - Das Kfz-Gewerbe fordert angesichts steigender CO2-Preise eine stärkere Förderung von Elektroautos und CO2-neutrale Kraftstoffen. Arne Joswig, Präsident des Branchenverbandes ZDK, sagte am Dienstag, wenn die E-Mobilität nicht vorankomme und die Klimaziele eingehalten werden sollten, explodiere der CO2-Preis bis 2030. "Bei dann möglichen 2,50 Euro pro Liter Kraftstoff können sich viele Menschen das Autofahren kaum leisten. Die Politik muss deshalb Lösungen entwickeln, die Mobilität für alle Schichten der Gesellschaft erschwinglich zu halten, ohne die Klimaziele aus den Augen zu verlieren."
Neben Elektroautos sprach Joswig auch Wasserstoff-Fahrzeuge und synthetische Kraftstoffe als "vielversprechende Ansätze" an, um die CO2-Emissionen zu reduzieren. Allerdings sind bislang kaum Wasserstoff-Autos verfügbar, und die Industrialisierung synthetischer Kraftstoffe steht aus. 2024 war der Elektroauto-Absatz in Deutschland um mehr als ein Viertel zurückgegangen.
Auch für das laufende Jahr äußerten sich Autohändler zurückhaltend zu den Aussichten für Elektroautos, teilte der ZDK zu einer Umfrage unter 690 Betrieben mit. Drei Viertel beurteilten demnach die E-Auto-Bestellungen durch Privatkunden als "eher schlechter" beziehungsweise "schlechter" als vor Jahresfrist. 2024 habe die Politik tatenlos zugesehen, wie Monat für Monat die Neuzulassungen für Elektrofahrzeuge in den Keller gegangen seien, sagte ZDK-Vizepräsident Thomas Peckruhn. "Die Anstrengungen zum Hochlauf der E-Mobilität müssen sich jetzt verdoppeln."
Insgesamt erwirtschaftete das Kraftfahrzeuggewerbe 2024 zwar mit 218,9 Milliarden Euro 5,6 Prozent mehr Umsatz. Allerdings profitierten davon hauptsächlich Gebrauchtwagenhändler sowie Werkstätten: Im Gebrauchtwagenmarkt wechselten sieben Prozent mehr Fahrzeuge den Besitzer, der Umsatz vor allem bei Markenhändlern legte zu. Die Werkstätten steigerten ihre Erlöse um 7,4 Prozent auf etwa 36 Milliarden Euro. Dabei spielte das steigende Durchschnittsalter der Autos in Deutschland eine Rolle, was mehr Reparaturen erforderte. Der Absatz von Neuwagen ging dagegen leicht zurück.
(Bericht von Christina Amann, redigiert von Myria Mildenberger. Bei Rückfragen wenden Sie sich bitte an unsere Redaktion unter Berlin.Newsroom@thomsonreuters.com (für Politik und Konjunktur) oder Frankfurt.Newsroom@thomsonreuters.com (für Unternehmen und Märkte)