Berlin, 19. Feb (Reuters) - Die Beschäftigten in Deutschland haben sich nach ersten Analysen der Betriebskrankenkassen 2024 ähnlich häufig krankgemeldet wie im Jahr davor. In den Betrieben der rund 4,7 Millionen einbezogenen Beschäftigten seien über das Jahr hinweg 5,9 Prozent der Belegschaft krankgeschrieben gewesen, teilte der BKK-Dachverband am Mittwoch mit. Damit liege der Krankenstand nach einem Höchststand 2022 auf dem Niveau des Vorjahres.
Der Dachverband wandte sich zugleich gegen eine Einführung unbezahlter Krankheitstage oder eine Abschaffung der telefonischen Krankmeldung. "Das A und O ist eine gesunde und vertrauensvolle Unternehmenskultur mit Freiräumen für die Beschäftigten", erklärte BKK-Vorstandschef Franz Knieps. "Anwesenheit sollte nicht belohnt, Abwesenheit nicht bestraft werden." Anfang des Jahres hatte Allianz-Vorstandschef Oliver Bäte eine Debatte über eine Einschränkung der Lohnfortzahlung im Krankheitsfall losgetreten. Er hatte vorgeschlagen, dass Beschäftigte durch einen Karenztag die Kosten für den ersten Krankheitstag durch Lohnausfall selbst tragen sollten.
Hauptursache für den anhaltend hohen Krankenstand ist laut BKK-Dachverband eine starke Zunahme von Atemwegserkrankungen seit dem Ende der Corona-Schutzmaßnahmen im März 2022. Auch andere Infektionskrankheiten hätten seither sprunghaft und deutlich zugenommen. Ein langfristiger Trend sei der kontinuierliche Anstieg der krankheitsbedingten Fehlzeiten im Zusammenhang mit psychischen Erkrankungen. Zudem wirke sich die Umstellung auf ein elektronisches Meldeverfahren aus.
(Bericht von Holger Hansen. Redigiert von Ralf Bode. Bei Rückfragen wenden Sie sich bitte an unsere Redaktion unter berlin.newsroom@thomsonreuters.com)