06. Apr (Reuters) - Der ukrainische Rüstungskonzern Fire Point verhandelt mit europäischen Unternehmen über die Entwicklung eines neuen Luftverteidigungssystems. Dieses soll eine kostengünstige Alternative zum US-System Patriot werden, das wegen des Krieges am Golf zunehmend knapp ist. Ziel sei es, die Kosten für den Abschuss einer ballistischen Rakete auf unter eine Million Dollar zu senken, sagte Mitgründer und Chefentwickler Denys Schtiljerman der Nachrichtenagentur Reuters. Das System solle bis zum kommenden Jahr auf den Markt kommen. Der erste Abschuss einer feindlichen Rakete sei für Ende 2027 geplant. Für das Patriot-System seien oft zwei oder drei Abwehrraketen für jeweils mehrere Millionen Dollar nötig. Gelinge eine Reduzierung auf unter eine Million Dollar, wäre dies ein Meilenstein, erklärte Schtiljerman.
Fire Point wartet zudem auf die Genehmigung der Regierung in Kiew für den Einstieg eines Investors aus dem Nahen Osten. Dieser wolle für 760 Millionen Dollar einen Anteil von 30 Prozent übernehmen, was das Unternehmen mit 2,5 Milliarden Dollar bewerte. Medienberichten zufolge handelt es sich um den Rüstungskonzern Edge Group aus den Vereinigten Arabischen Emiraten. Die Investition solle die Tür für neue Geschäftsfelder öffnen, darunter den Start von Satelliten in eine niedrige Erdumlaufbahn von den Emiraten aus. Die ukrainische Kartellbehörde muss Schtiljerman zufolge bis etwa Oktober über das Vorhaben entscheiden.
Das nach dem russischen Einmarsch 2022 gegründete Unternehmen ist der größte ukrainische Hersteller von Langstreckendrohnen. Derzeit befindet sich Fire Point in der Endphase der Entwicklung von zwei ballistischen Überschallraketen. Die kleinere FP-7 mit einer Reichweite von etwa 300 Kilometern solle in naher Zukunft eingesetzt werden. Die größere FP-9 stehe kurz vor der Erprobung. Sie könne einen 800 Kilogramm schweren Sprengkopf bis zu 850 Kilometer weit tragen, womit auch Moskau in Reichweite des ukrainischen Arsenals läge. Angriffe auf die russische Hauptstadt würden ein Umdenken in der russischen Führung auslösen, zeigte sich Schtiljerman überzeugt. Derzeit produziere Fire Point täglich Hunderte Drohnen für jeweils etwa 50.000 Euro sowie drei Marschflugkörper vom Typ Flamingo für jeweils rund 600.000 Euro.
(Bericht von Max Hunder and Daniel Flynn, geschrieben von Hans Busemann. Redigiert von Holger Hansen. Bei Rückfragen wenden Sie sich bitte an unsere Redaktion unter berlin.newsroom@thomsonreuters.com (für Politik und Konjunktur) oder frankfurt.newsroom@thomsonreuters.com (für Unternehmen und Märkte).)