| * | Treibstoff wird in einigen Ländern rationiert | |
| * | Flugzeuge tanken mehr für Rückflüge | |
| * | Engpass könnte zu mehr Flugstreichungen zwingen | |
| - von Julie Zhu und Trixie Yap | ||
| Hongkong/Singapur, 07. Apr (Reuters) - In Asien kämpfen | ||
| Fluggesellschaften zunehmend mit der stockenden | ||
| Kerosinversorgung aufgrund des Iran-Krieges. Die Blockade der | ||
| Straße von Hormus durch den Iran kappt rund ein Fünftel der | ||
| weltweiten Kerosinversorgung auf dem Seeweg, vor allem in | ||
| Richtung Asien. Airlines in importabhängigen Ländern wie | ||
| Vietnam, Myanmar und Pakistan arbeiten bereits im Krisenmodus, | ||
| auf den sich bei längerer Kriegsdauer auch die Europäer | ||
| einstellen müssen. Fluggesellschaften in Asien streichen wegen | ||
| eines knappen Angebots an Kerosin Flüge, nehmen zusätzlichen | ||
| Treibstoff mit oder legen Tankstopps ein. | ||
Dies erhöht den Druck auf eine Branche, die bereits von einem starken Anstieg der Treibstoffkosten betroffen ist. "In meinen Gesprächen mit Fluggesellschaften stelle ich fest, dass sie sehr besorgt über die Zukunft sind", sagte Shukor Yusof, Gründer der Luftfahrtberatung Endau Analytics. "Denn wir wissen nicht, wann der Krieg enden wird und wann die Lieferkette, die Rohstoffe aus der Golfregion, wiederhergestellt sein werden." China und Thailand stellten Kerosinexporte bereits ein, Südkorea begrenzt die Mengen.
Die Billigfluglinie AirAsia X zum Beispiel nimmt in Malaysia zusätzlichen Treibstoff an Bord, bevor sie zu Flughäfen in Vietnam fliegt, wie Vorstandschef Bo Lingam sagte. "Es ist nicht so, dass sie uns keinen Treibstoff geben, aber sie begrenzen die Menge." Auch in Myanmar, Pakistan und auf Tahiti gibt es Einschränkungen. Piloten werden angewiesen, aus dem Ausland die maximale Treibstoffmenge mitzubringen. Diese als "Tankering" bekannte Praxis ist jedoch kostspielig, da das Mitführen von zusätzlichem Treibstoff den Verbrauch erhöht. "Einige Länder beschränken möglicherweise den Treibstoff für ausländische Fluggesellschaften, was dann zum Tankering führt", sagte der unabhängige Luftfahrtanalyst Brendan Sobie. Hintergrund sei die Sorge, dass der Treibstoff ausgehen könnte.
Die Verdopplung der Kerosinpreise seit Beginn des Iran-Krieges hat einige Fluggesellschaften dazu veranlasst, ihre Kapazitäten zu reduzieren. So hat Vietnam Airlines nach Angaben der Luftfahrtbehörde des Landes 23 Inlandsflüge pro Woche gestrichen, um Treibstoff zu sparen. Batik Air Malaysia hat ihre Inlandskapazität um 36 Prozent gekürzt. Vorstandschef Chandran Rama Muthy bezeichnete die Kürzungen als notwendige und proaktive Reaktion auf ein "Krisenumfeld".
Selbst bei Flugstreichungen sinkt die Nachfrage der Airlines nicht schnell genug, um mit dem Rückgang des Kerosinangebots Schritt zu halten: Nach Berechnung von Reuters werden durch den Rohöl-Engpass aus Nahost pro Tag mindestens 400.000 Barrel Kerosin in der Asien-Pazifik-Region weniger produziert. Branchenkenner schätzen, dass die Flugausfälle die Nachfrage in Asien im April aber nur um etwa 50.000 bis 100.000 Barrel pro Tag senken. Da die Raffinerien weniger produzieren, könnten die fehlenden Mengen nicht einfach ersetzt werden, erklärte Ölanalyst Alex Yap von Energy Aspects. Es könnte also zu größeren Lücken im Flugangebot kommen. "Wir stehen erst am Anfang dieses Zyklus von Flugstreichungen", sagte Ellis Taylor, Asien-Redakteur beim Luftfahrtdatenanbieter Cirium.
Analysten zufolge sind Asien, Europa und Afrika am stärksten betroffen, während die USA über reichlich heimische Vorräte verfügen. Auch die Lufthansa <LHAG.DE> bereitet sich auf eine Versorgungskrise vor. "Je länger die Straße von Hormus blockiert bleibt, desto kritischer kann die Versorgungssicherheit mit Kerosin werden", sagte Lufthansa-Vorständin Grazia Vittadini der "Welt am Sonntag". Konzernchef Carsten Spohr bestätigte gegenüber der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" vergangene Woche, es werde geprüft, im ersten Schritt 20 Flugzeuge oder 2,5 Prozent der Kapazität aus dem Betrieb zu nehmen. Notfalls sollen 40 Jets am Boden bleiben. Erste Flughäfen in Asien nähmen keine zusätzlichen Flüge mehr an. Manche Strecken könnten defizitär werden, wenn höhere Ticketpreise die Nachfrage dämpfen.
Im Falle einer länger andauernden Krise könnte es zu Flugstreichungen auch in Europa kommen, erklärte Ryanair-Chef Michael O'Leary vergangene Woche. "Wenn im Juni, Juli oder August zehn oder 20 Prozent der Treibstoffversorgung gefährdet sind, dann müssen wir und andere Fluggesellschaften damit beginnen, über das Streichen einiger Flüge nachzudenken."
(Geschrieben von Ilona Wissenbach, redigiert von Ralf Banser. Bei Rückfragen wenden Sie sich bitte an die Redaktionsleitung unter frankfurt.newsroom@thomsonreuters.com)