07. Apr (Reuters) - Der jüngste Inflationsanstieg in der Euro-Zone infolge des Iran-Krieges birgt laut EZB-Ratsmitglied Dimitar Radew Gefahren. "Zum jetzigen Zeitpunkt sind Folgewirkungen noch nicht deutlich erkennbar, das Risiko sollte jedoch nicht unterschätzt werden", sagte der bulgarische Notenbankchef in einem am Dienstag veröffentlichten Interview der Nachrichtenagentur Reuters. Sollte sich der Energiepreisschock ausbreiten und das Preisverhalten im weiteren Sinne beeinflussen, könne sich die Lage im Vergleich zu einem stabileren Umfeld relativ schnell verändern: "Die EZB sollte rechtzeitig handeln", sagte Radew. Eine der wichtigsten Lehren aus dem Jahr 2022 sei, dass letztlich nicht der Ursprung der Inflation entscheidend sei, sondern ob sie sich verfestige.
"Wenn die vorliegenden Daten eindeutig in diese Richtung deuten, sollten wir bereit sein zu reagieren", sagte Radew. Der Zeitpunkt jeglicher Maßnahmen hänge von der Aussagekraft und Konsistenz der Daten ab. Die Preise im Euroraum sind seit Ausbruch des Iran-Krieges massiv gestiegen und schüren Inflationssorgen. Die Verbraucherpreise legten im März um durchschnittlich 2,5 Prozent im Vergleich zum Vorjahresmonat zu.
Die EZB strebt eine Teuerungsrate von 2,0 Prozent an, die sie als optimal für die Wirtschaft im Euroraum ansieht. Damit steigt der Druck auf die EZB, bei ihrer nächsten Sitzung Ende April eine Erhöhung des Leitzinses zu erwägen, um sich gegen den Preisauftrieb zu stemmen. EZB-Direktor Frank Elderson erklärte, die wiederholten Energiepreisschocks machten es der EZB zusehends schwierig, ihr Preisstabilitätsziel zu erreichen.
(Bericht von Balazs Koranyi, geschrieben von Reinhard Becker. Redigiert von Ralf Bode. Bei Rückfragen wenden Sie sich bitte an unsere Redaktion unter berlin.newsroom@thomsonreuters.com (für Politik und Konjunktur) oder frankfurt.newsroom@thomsonreuters.com (für Unternehmen und Märkte).)