Berlin, 07. Apr (Reuters) - Der Iran-Krieg lässt Rezessionsängste unter Investoren aufkommen. Das Stimmungsbarometer für die Euro-Zone sackte im April um 16,1 Punkte auf minus 19,2 Zähler ab, wie die Beratungsfirma Sentix am Dienstag zu ihrer monatlichen Umfrage unter 1047 Anlegern mitteilte. Dies ist das tiefste Niveau seit April 2025. Von der Nachrichtenagentur Reuters befragte Ökonomen hatten nur mit einem Rückgang auf minus 9,0 Punkte gerechnet. "Investoren erkennen zunehmend, dass das Risiko einer erneuten Rezession wieder in den Fokus rückt", erklärte Sentix-Geschäftsführer Patrick Hussy. Der Einbruch sei ähnlich stark wie vor einem Jahr, als US-Präsident Donald Trump massive Strafzölle anordnete. Die Entwicklung stehe im unmittelbaren Zusammenhang mit den anhaltend hohen Rohölpreisen und den Lieferengpässen an der Straße von Hormus infolge des seit Ende Februar tobenden Iran-Krieges.
"Die Angriffe auf Energieinfrastruktur und Störungen der Schifffahrt im Persischen Golf drücken hierbei noch stärker aufs Gemüt als vor vier Wochen", erläuterte Hussy. Der kräftige Anstieg der Ölpreise und die damit verbundene wirtschaftliche Unsicherheit hätten aus Sicht der Anleger erhebliche negative Konsequenzen auf das Wirtschaftsleben.
Auch die deutsche Konjunktur bekomme "einen herben Schlag ab": Das Barometer für die größte Volkswirtschaft im Euroraum fiel um 15,6 auf minus 27,7 Zähler. Auch hier wurde der tiefste Wert seit April 2025 erreicht. Die Lagewerte seien mit minus 38,0 Punkten ohnehin rezessiv, erläuterte Hussy. "Doch die Konjunkturerwartungen setzen noch einen drauf." Ausgehend von dieser schlechten Lagebeurteilung reduzieren die Anleger ihre Aussichten für die Konjunktur in Deutschland um 18,6 Punkte. Diese Teilkomponente erreichte mit minus 16,8 Zählern den niedrigsten Stand seit September 2024.
Wegen der Folgen des Iran-Kriegs erwarten die führenden Wirtschaftsforschungsinstitute, dass die Wachstumskräfte hierzulande versiegen. Sie rechnen für dieses Jahr nur noch mit einem Anstieg des Bruttoinlandsprodukts von 0,6 Prozent. In der Herbstprognose hatten sie noch ein Plus von 1,3 Prozent veranschlagt.
(Bericht von Reinhard Becker, redigiert von Klaus Lauer - Bei Rückfragen wenden Sie sich bitte an unsere Redaktion unter berlin.newsroom@thomsonreuters.com)