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07.04.2026 /13:55:34
FOKUS 1-Deutschlands Automarkt kommt in Schwung - Deutlich mehr Elektroautos

*Neuzulassungen legen im ersten Quartal gut fünf Prozent
zu
 
*Absatz aber immer noch fast ein Fünftel unter Niveau
von 2019
 
*Auswirkungen des Irankriegs noch nicht sichtbar
 
(Neu: Experte)
Berlin, 07. Apr (Reuters) - Eine deutlich gestiegene
Nachfrage nach Elektroautos hat den deutschen Automarkt zu
Jahresbeginn in Schwung gebracht. Von Januar bis März wurden
nach Daten des Kraftfahrt-Bundesamts fast 700.000 Autos erstmals
zugelassen, das sind 5,2 Prozent mehr als vor Jahresfrist.
Allein der März war dabei mit fast 300.000 verkauften Autos der
stärkste Monat seit Juni 2024. Der Motor für das Wachstum sei
das starke Plus bei Elektroautos gewesen, sagte Constantin Gall,
Autoexperte bei der Unternehmensberatung EY. Dabei spiele die
neue Förderprämie von bis zu 6000 Euro eine Rolle. Auch für die
kommenden Monate sei deswegen ein deutliches Wachstum bei
Elektroautos zu erwarten.

Im März sprang der Absatz von Elektroautos um zwei Drittel nach oben. Ihr Anteil an allen Neuzulassungen stieg in dem Monat auf 24 Prozent, das sind 7,2 Prozentpunkte mehr als vor Jahresfrist und 2,1 Prozentpunkte mehr als im Februar. Zählt man Plug-in-Hybride dazu, deren Batterie mit einem Stecker aufgeladen werden kann, fährt inzwischen gut jeder dritte Neuwagen in Deutschland zumindest zeitweise elektrisch. Reine Verbrenner sind dagegen weniger gefragt als noch vor einem Jahr, sowohl bei Diesel- als auch bei Benzinfahrzeugen wurde ein Rückgang verzeichnet.

Weiteren Schub für Elektroautos könnte der Iran-Krieg bringen. Bislang sind nach Einschätzung des Branchenverbandes VDA die Auswirkungen des Krieges noch nicht in den Zahlen zu erkennen, weil üblicherweise zwischen der Bestellung eines Neuwagens und seiner Erstzulassung mehrere Monate liegen. Allerdings dürften die hohen Spritpreise den einen oder anderen Autokäufer dazu bewegen, sich nun für ein E-Auto statt für einen Verbrenner zu entscheiden, sagte EY-Experte Gall. "Viel wird allerdings davon abhängen, ob die Preise bei einer längeren Krise dauerhaft so hoch bleiben, oder ob sie wieder auf ihr Vor-Krisenniveau sinken."

Benzin und Diesel kosten in Deutschland derzeit so viel wie nie zuvor. Nach Angaben des ADAC verteuerte sich Benzin auf 2,235 Euro je Liter, Diesel kostete sogar erstmals mehr als 2,50 Euro je Liter. "Die Kraftstoffpreise kennen auch weiterhin nur eine Richtung: nach oben", sagte ein Sprecher. Gebrauchtwagenhändler berichteten zuletzt von einer höheren Nachfrage nach Elektroautos, auch auf Online-Marktplätzen wie Carwow oder Mobile.de informieren sich mehr Menschen zu Elektroautos als vor Ausbruch des Krieges. Allerdings warnte EY-Experte Gall vor allzu großem Optimismus. Die steigenden Benzin- und Dieselpreise dürften die Kauflaune belasten. "Weniger verfügbares Einkommen heißt: Große Anschaffungen werden zurückgestellt", sagte er. "Wir stehen daher vor einem weiteren schwachen Autojahr."

TESLA VERKAUFT DEUTLICH MEHR - PORSCHE SCHWÄCHELT

Bei den Herstellern gelang Tesla <TSLA.O> ein deutlicher Sprung nach oben: Der US-Elektroautobauer verkaufte allein im März mehr als 9000 Autos in Deutschland, das ist rund viermal so viel wie vor einem Jahr. Der Marktanteil verbesserte sich auf gut drei Prozent und lag damit deutlich über dem des chinesischen Rivalen BYD mit lediglich 1,2 Prozent. Auch Opel schaffte ein deutliches Absatzplus von 43 Prozent. BMW <BMWG.DE> und Audi setzten 16,5 beziehungsweise 25 Prozent mehr Autos ab, Mercedes-Benz <MBGn.DE> steigerte seinen Absatz um 7,5 Prozent. Marktführer Volkswagen <VOWG.DE> fuhr mit einem Anstieg um lediglich 3,2 Prozent im März hinterher. Schlechter als vor Jahresfrist lief es bei Porsche: Der Stuttgarter Sportwagenbauer verkaufte 12,1 Prozent weniger Neuwagen als vor Jahresfrist.

(Bericht von Christina Amann, redigiert von Philipp Krach. Bei Rückfragen wenden Sie sich bitte an unsere Redaktion unter Berlin.Newsroom@thomsonreuters.com (für Politik und Konjunktur) oder Frankfurt.Newsroom@thomsonreuters.com (für Unternehmen und Märkte)

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