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08.04.2026 /09:43:25
FOKUS 1-Industrieaufträge steigen - "Zuwachs hat wegen Iran-Krieg kaum Wert"

*Bestellungen in Deutschland im Februar 0,9 Prozent im
Plus
 
*Neugeschäft steigt vor dem Iran-Krieg schwächer als
erwartet
 
*Ministerium: Konflikt dämpft positive Entwicklung
temporär
 
*Ökonomen: Entscheidend sind Feuerpause und
Hormus-Meerenge
 
(MitDetails, mehr Ökonomen, DIHK, Hintergrund)
Berlin, 08. Apr (Reuters) - Die deutsche Industrie hat
vor dem Iran-Krieg ein leichtes Auftragsplus verbucht. Das
Neugeschäft stieg im Februar schwächer als erwartet um 0,9
Prozent zum Vormonat, wie das Statistische Bundesamt am Mittwoch
mitteilte. Ökonomen hatten mit plus zwei Prozent gerechnet. Im
Januar hatte es mit 11,1 Prozent noch den stärksten Einbruch
seit rund zwei Jahren gegeben. Klammert man Großbestellungen
aus, lagen die Aufträge im Februar mit 3,5 Prozent im Plus. "Das
ist ein schöner Zuwachs, der wegen des Iran-Kriegs aber kaum
Wert hat", kommentierte Chefvolkswirt Alexander Krüger von der
Hauck Aufhäuser Lampe Privatbank. So beziehe sich der
Auftragsanstieg auf Februar, als im Iran noch nicht Krieg
geführt worden sei.

Die Unsicherheit durch den Konflikt dürfte Unternehmen im März bei der Auftragsvergabe bereits gehemmt haben, erklärte Krüger. "Wegen des Energiepreisschocks bedarf es zudem neuer Preiskalkulationen." Ob sich die geopolitische Lage nun nach der für zwei Wochen geplanten Feuerpause wirklich beruhige und die für die Energieversorgung wichtige Straße von Hormus freikomme, bleibe abzuwarten. "Klar ist, dass die Industrie in diesem Jahr einen deutlich höheren Rohölpreis zu verarbeiten hat", sagte der Analyst. Das schmälere die positiven Impulse, die vom Fiskalpaket der Bundesregierung mit Mehrausgaben für Infrastruktur und Verteidigung eigentlich ausgehen sollten.

DIHK: FIRMEN MÜSSEN SICH AUF LÄNGER HÖHERE KOSTEN EINSTELLEN

"Auch wenn die verkündete Feuerpause von Bestand sein sollte, müssen sich die Unternehmen auf ein längerfristig höheres Kostenniveau einrichten", sagte Konjunkturexperte Jupp Zenzen von der Deutschen Industrie- und Handelskammer (DIHK). "Das bleibt mehr als ein Dämpfer für die Industriekonjunktur."

Die Aufträge in der Industrie seien derzeit weiter schwankend, erklärte das Bundeswirtschaftsministerium. Der seit August 2025 aufwärts gerichtete Trend setzte sich zwar verhalten fort. "Diese positive Entwicklung dürfte jedoch infolge des Energiepreisschocks im Zusammenhang mit dem eskalierten Konflikt im Nahen Osten temporär gedämpft werden."

Der Iran-Krieg sorgt seit gut einem Monat für große Unsicherheit und hat die Energiepreise in die Höhe getrieben. "Tatsächlich wären im Falle einer Einigung zwischen den USA und dem Iran die realwirtschaftlichen Auswirkungen des Krieges überschaubar", sagte Chefvolkswirt Thomas Gitzel von der VP Bank. Zwar belasteten die hohen Energiepreise die Weltwirtschaft im ersten Halbjahr, doch bei einer Entspannung der Situation könnte die globale Konjunktur im weiteren Jahresverlauf wieder zu ihrem ursprünglichen Pfad zurückkehren. "Noch bleibt aber abzuwarten, wie die Verhandlungen zwischen den Konfliktparteien verlaufen werden."

Die Nachfrage aus dem Inland fiel im Februar erneut - und zwar um 4,4 Prozent zum Vormonat. Im Januar hatte es hier bereits ein kräftiges Minus von 15,5 Prozent gegeben. Die Auslandsaufträge hingegen kletterten im Februar um 4,7 Prozent. Dabei stieg die Nachfrage aus der Euro-Zone um 6,7 Prozent, die aus dem Rest der Welt um 3,5 Prozent.

(Bericht von Klaus Lauer, redigiert von Kerstin Dörr - Bei Rückfragen wenden Sie sich bitte an unsere Redaktion unter berlin.newsroom@thomsonreuters.com)

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