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08.04.2026 /09:12:26
TOP-THEMA-USA und Iran vereinbaren zweiwöchige Waffenruhe

(Weitgehend neu)
 
*Pakistan vermittelt - Weitere Eskalation vorerst
abgewendet
 
*Trump und Teheran beanspruchen Sieg für sich
 
*Merz: Werden uns an Sicherung von Straße von Hormus
beteiligen
 
*Lage vor Ort unübersichtlich - Explosionen in Tel Aviv
 
- von Steve Holland und Parisa Hafezi
Washington/Dubai/Kairo, 08. Apr (Reuters) - Die USA
haben sich mit dem Iran auf eine zweiwöchige Feuerpause
verständigt und damit eine weitere Eskalation des Krieges
vorerst abgewendet. Die Übereinkunft kam am späten Dienstagabend
zustande ? weniger als zwei Stunden vor Ablauf eines Ultimatums,
in dem US-Präsident Donald Trump dem Iran bei einer anhaltenden
Blockade der Straße von Hormus mit der Zerstörung der zivilen
Infrastruktur gedroht hatte. Vermittelt wurde die Waffenruhe von
Pakistan. Ministerpräsident Shehbaz Sharif erklärte auf der
Plattform X, er habe iranische und US-Delegationen für Freitag
zu einem Treffen nach Islamabad eingeladen. Bundeskanzler
Friedrich Merz begrüßte die Entwicklung und erklärte die
Bereitschaft Deutschlands, sich an einer Sicherung der Straße
von Hormus zu beteiligen.

Voraussetzung für die Einigung in letzter Minute war Trump zufolge die Zusage des Iran, die Blockade von Öl- und Gaslieferungen durch die strategisch wichtige Meerenge auszusetzen. Durch die Wasserstraße wird üblicherweise etwa ein Fünftel der weltweiten Öl- und Gaslieferungen abgewickelt. Der iranische Außenminister Abbas Araghtschi teilte mit, Teheran werde seine Gegenangriffe einstellen und eine sichere Durchfahrt gewähren, sofern die Angriffe auf den Iran aufhörten. Der Oberste Nationale Sicherheitsrat des Iran stellte das Abkommen als Sieg über die USA dar und erklärte, Trump habe die iranischen Bedingungen für eine Beendigung der Feindseligkeiten akzeptiert.

Trump selbst beanspruchte den Erfolg ebenfalls für sich. "Dies wird eine beidseitige Feuerpause sein", schrieb er auf seiner Plattform Truth Social. "Der Grund dafür ist, dass wir alle militärischen Ziele bereits erreicht und übertroffen haben und mit einem endgültigen Abkommen über einen langfristigen Frieden mit dem Iran und Frieden im Nahen Osten sehr weit fortgeschritten sind." Im Gespräch mit der französischen Nachrichtenagentur AFP sprach er von einem "totalen und vollständigen Sieg. 100 Prozent. Ohne jeden Zweifel." Später fügte er auf Truth Social hinzu: "Ein großer Tag für den Weltfrieden! Der Iran will, dass es passiert, sie haben genug! Und alle anderen auch!"

Merz erklärte am Mittwochmorgen: "Deutschland wird in geeigneter Weise dazu beitragen, die freie Schifffahrt in der Hormus-Straße zu gewährleisten." Die Bundesregierung unterstütze die diplomatischen Bemühungen, dass der Krieg jetzt ende. "Dazu steht sie in engem Austausch mit den USA und anderen Partnern."

RAKETENALARM IN TEL AVIV

Trotz der Ankündigung blieb die Lage in der Region unübersichtlich. Mehr als eine Stunde nach Trumps Erklärung teilte das israelische Militär mit, es habe aus dem Iran abgefeuerte Raketen registriert. In Tel Aviv waren Explosionen von abgefangenen Geschossen zu hören. Golfstaaten wie Kuwait, Bahrain, Saudi-Arabien und die Vereinigten Arabischen Emirate gaben fast zeitgleich Warnungen heraus und aktivierten ihre Luftabwehr. Israelischen Medien zufolge schlug das Militär gegen Abschussrampen im Iran zurück.

Das Büro des israelischen Ministerpräsidenten Benjamin Netanjahu erklärte, man unterstütze die Aussetzung der Angriffe auf den Iran für den Zeitraum von zwei Wochen. Die Feuerpause gelte jedoch nicht für den Libanon. Dies widersprach früheren Äußerungen des pakistanischen Regierungschefs Sharif, wonach das Abkommen auch eine Einstellung der israelischen Offensive im Libanon umfasse. Die libanesische staatliche Nachrichtenagentur NNA meldete weiterhin israelische Angriffe im Südlibanon. Der Islamische Widerstand im Irak teilte dagegen mit, er werde seine Operationen im Irak und in der gesamten Region für zwei Wochen aussetzen.

Aus Verhandlungskreisen verlautete Skepsis, ob die Feuerpause halten werde. Die US-Seite gehe davon aus, dass der Iran versuchen könnte, auf Zeit zu spielen. Es handele sich um eine "vertrauensbildende Maßnahme", hieß es. Trump, der in den vergangenen Wochen mehrfach Drohungen ausgestoßen und wieder zurückgenommen hatte, begründete seine Zustimmung mit Fortschritten zwischen beiden Seiten. Der Iran habe einen Zehn-Punkte-Vorschlag vorgelegt, der eine "brauchbare Grundlage" für Verhandlungen sei. Er erwarte, dass innerhalb des zweiwöchigen Zeitfensters ein Abkommen abgeschlossen werde.

SORGE VOR REZESSION UND US-WAHLKAMPF

Der Krieg, der sich nun in der sechsten Woche befindet, hat nach Angaben von Regierungsquellen und Menschenrechtsgruppen in fast einem Dutzend Ländern mehr als 5000 Menschenleben gefordert, darunter mehr als 1600 Zivilisten im Iran. Trumps Ankündigung bildete den Abschluss eines turbulenten Tages, der von seiner Drohung dominiert wurde, jede Brücke und jedes Kraftwerk im Iran zu zerstören, sollte Teheran die Straße von Hormus nicht wieder öffnen. "Heute Nacht wird eine ganze Zivilisation sterben", hatte er gewarnt.

Vor Ablauf der Frist um 02.00 Uhr MESZ am Mittwoch hatten die USA und Israel ihre Angriffe auf den Iran noch einmal intensiviert. Sie trafen Eisenbahn- und Straßenbrücken, einen Flughafen sowie eine petrochemische Anlage. US-Streitkräfte griffen zudem Ziele auf der Insel Charg an, wo sich das wichtigste Ölexportterminal des Iran befindet.

Die Schließung der Straße von Hormus hatte die Ölpreise stark ansteigen lassen und die Gefahr eines weltweiten wirtschaftlichen Abschwungs oder gar einer Rezession erhöht. Die US-Energiebehörde EIA warnte am Dienstag, dass die Kraftstoffpreise selbst nach einer Wiedereröffnung der Meerenge noch monatelang steigen könnten. An den asiatischen Märkten sorgte die Feuerpause für Erleichterung: Die Ölpreise gaben nach, die Aktienkurse stiegen und der Dollar schwächte sich ab.

Analysten zufolge könnte Trumps Einlenken auch innenpolitisch motiviert sein. Angesichts der anlaufenden Kampagne für die US-Kongresswahlen im November sind Trumps Zustimmungswerte auf einen historischen Tiefstand gesunken. Seiner Republikanischen Partei droht der Verlust ihrer knappen Mehrheiten im Kongress. Umfragen zeigen, dass eine deutliche Mehrheit der US-Bürger den Krieg ablehnt und über die steigenden Benzinpreise frustriert ist. "In den vergangenen Tagen haben wir gesehen, dass Präsident Trump einen Weg für einen Rückzug des US-Militärs aus dem Krieg mit dem Iran finden wollte, um dies zugleich als eine Art Sieg für die USA zu verkaufen", erklärte Jessica Genauer, akademische Direktorin des Public Policy Institute an der australischen Universität von New South Wales.

(Mitarbeit Enas Alashray, Ahmed Tolba und Jasper Ward sowie weitere Reuters-Büros Bearbeitet von Alexander Ratz Redigiert von Kerstin Dörr Bei Rückfragen wenden Sie sich bitte an unsere Redaktion unter berlin.newsroom@thomsonreuters.com)

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