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08.04.2026 /11:00:41
TOP-THEMA-Börsen zünden Kursfeuerwerk - Ölpreis bricht ein

*USA und Iran vereinbaren zweiwöchige Waffenruhe
 
*Dax steuert auf größtes Plus seit vier Jahren zu
 
*Experte: "Es gibt noch viele offene Fragen"
 
*Aussicht auf Ende der Engpässe drückt
Düngemittelanbieter

(Neu: Europäische Börsen, US-Futures, Bitcoin, Metalle, Anleihen, Dollar)

- von Sanne Schimanski
Frankfurt, 08. Apr (Reuters) - Die Ankündigung einer
Waffenruhe im Iran-Krieg hat den Börsen ein Kursfeuerwerk
beschert. Der Dax <.GDAXI> notierte am Mittwochvormittag 4,6
Prozent höher bei 23.971 Punkten. Der EuroStoxx50 <.STOXX50E>
legte um 3,5 Prozent auf 5078 Zähler zu. Damit steuerten beide
Börsenbarometer auf ihr größtes Plus seit März 2022 zu. Deutlich
höher lagen auch die Futures für die wichtigsten
US-Indizes <1YMcv1>. Nordsee-Rohöl der Sorte
Brent und US-Leichtöl WTI <CLc1> verbilligten sich
hingegen um jeweils rund 15 Prozent. Zuletzt lagen die Preise
bei 95,21 und 96,29 Dollar je Fass (159 Liter) - dem tiefsten
Stand seit vier und zwei Wochen.

Weniger als zwei Stunden vor Ablauf eines von ihm gesetzten Ultimatums stimmte US-Präsident Donald Trump einer zweiwöchigen Waffenruhe mit dem Iran zu. Bedingung sei, dass der Iran seine Blockade der für Öltransporte wichtigen Straße von Hormus aufhebt, teilte Trump auf seiner Social-Media-Plattform Truth Social mit. "Die Waffenruhe ist der erste Schritt in die richtige Richtung", kommentierte Christian Henke, Chefanalyst des Brokers IG. "Allerdings werden die Verhandlungen in Pakistan zeigen, inwieweit die USA und der Iran an einem dauerhaften Frieden interessiert sind." Für eine Einigung spreche jedoch unter anderem, dass beide Seiten ein wirtschaftliches Interesse hätten: Der Iran leide deutlich unter den Sanktionen, während die USA an einem günstigen Ölpreis interessiert seien.

EIN RISIKO BLEIBT

Andere Marktbeobachter zeigten sich jedoch vorsichtig. Die Waffenruhe "ist ein guter Anfang und könnte den Weg für eine dauerhaftere Wiederöffnung ebnen - allerdings gibt es noch viele offene Fragen", sagte IG-Analyst Tony Sycamore. Zugleich könnte sich der Iran laut Saul Kavonic von MST Marquee selbst bei einem Friedensabkommen ermutigt fühlen, die Straße von Hormus künftig häufiger zu bedrohen. Je nach Ausgestaltung eines solchen Abkommens bestehe zugleich weiterhin Spielraum dafür, dass sich am Markt auf absehbare Zeit eine geopolitische Risikoprämie verfestigt, fügte Vivek Dhar von der Commonwealth Bank hinzu.

Auch mit Blick auf den Rückgang beim Ölpreis verwiesen Experten auf anhaltende Risiken. "In Normalzeiten passieren rund 135 Schiffe täglich die Meerenge. Die Wiederaufnahme des Verkehrs wird selbst bei zügiger Umsetzung nur schrittweise erfolgen", schrieben die Analysten der LBBW. Damit blieben anhaltende Lieferkettenstörungen an den Energie- und Gütermärkten ein nicht zu unterschätzendes Risiko.

Die fallenden Energiepreise ließen zugleich unter Händlern die Hoffnung auf einen Rückgang der Inflation und eine Zinssenkung der US-Notenbank noch im laufenden Jahr aufkeimen. Sie bewerten die Wahrscheinlichkeit einer Lockerung auf der letzten Zinssitzung im Dezember laut dem FedWatch-Tool der CME Group als nahezu ausgeglichen. Am Dienstag hatten sie die Wahrscheinlichkeit einer unveränderten Zinspolitik der Fed noch auf 74,5 Prozent taxiert. Die Fed versucht, mit erhöhten Zinsen die Teuerungsrate auf den Zielwert von zwei Prozent zu drücken.

K+S UND RIVALEN UNTER DRUCK

Anleger griffen zugleich bei Bitcoin <BTC=>, Edel <XAU=> <XAG=>- und Industriemetallen sowie bei Staatsanleihen <DE10YT=RR> zu. Der Dollar-Index <.DXY> fiel im Gegenzug um rund ein Prozent auf 98,839 Punkte.

Zu den größten Gewinnern unter den Einzelwerten gehörten Aktien aus dem Reise- <.SXTP>, Industrie- <.SXNP>, Bank- <.SX7E> und Technologiesektor <.SX8P>, die als Hauptprofiteure niedrigerer Energiekosten und fallender Anleiherenditen gelten. Die entsprechenden Branchenindizes kletterten um rund sechs bis sieben Prozent. Der Energie-Sektorindex <.SXEP> rutschte hingegen im Kielwasser der fallenden Ölpreise um vier Prozent ab.

Im MDax <.MDAXI> stachen Redcare Pharmacy <RDC.DE> mit einem Kurssprung von fast 15 Prozent nach positiv aufgenommenen Geschäftszahlen heraus. Um knapp zehn Prozent nach unten ging es hingegen für K+S <SDFGn.DE>. Ein Händler verwies darauf, dass der Düngemittelkonzern zuletzt von stockenden Kali-Exporten aus dem Nahen Osten profitiert hatte. Unter Druck gerieten auch europäische Rivalen von K+S, etwa Yara in Norwegen und OCI <OCI.AS> in den Niederlanden.

(Bericht von Sanne Schimanski, redigiert von Sabine Ehrhardt. Bei Rückfragen wenden Sie sich an unsere Redaktion unter berlin.newsroom@thomsonreuters.com (für Politik und Konjunktur) oder frankfurt.newsroom@thomsonreuters.com (für Unternehmen und Märkte).)



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