| * Trotz Risiken: 83 Prozent der Exporteure optimistisch | |
| * | Geopolitische Unsicherheit ist das größte Risiko |
| * | USA als Exportmarkt verlieren an Attraktivität |
| * | Ifo: Neue Freihandelsabkommen würden EU-Wirtschaft |
| anschieben | |
| (Mit Details, Ifo-Studie, Hintergrund) | |
| Berlin, 08. Apr (Reuters) - Deutsche Exporteure zeigen | |
| sich trotz derFolgen des Iran-Kriegs und des US-Handelskonflikts | |
| überraschend optimistisch für das laufende Jahr. Gut acht von | |
| zehn Unternehmen (83 Prozent) rechnen mit steigenden | |
| Exportumsätzen, wie am Mittwoch aus einer Umfrage des | |
| Kreditversicherers Allianz Trade <ALVG.DE> hervorgeht. Damit sind | |
| die deutschen Firmen zuversichtlicher als der weltweite | |
| Durchschnitt von 75 Prozent. Die meisten deutschen Unternehmen | |
| erwarten ein moderates Wachstum zwischen zwei und fünf Prozent. | |
| Für die Studie wurden im Februar und März rund 6000 Betriebe in | |
| 13 Märkten befragt. | |
Die Zuversicht der deutschen Exporteure sei allerdings nur eine "Momentaufnahme", sagte Konjunktur-Fachmann Björn Griesbach von Allianz Trade mit Blick auf die unklaren Aussichten rund um den Iran-Krieg. "Der Optimismus ist natürlich nur sehr fragil und könnte auch schnell schwinden, wenn sich der Konflikt jetzt irgendwie anders hinzieht." Entscheidend für die Firmen sei, ob es zu einem dauerhaften Frieden komme.
Die USA haben sich mit dem Iran auf eine zweiwöchige Feuerpause verständigt und damit eine weitere Eskalation des Krieges vorerst abgewendet. Die Übereinkunft kam kurz vor Ablauf eines Ultimatums, in dem US-Präsident Donald Trump dem Iran bei einer anhaltenden Blockade der für die Energieversorgung wichtigen Straße von Hormus mit der Zerstörung der zivilen Infrastruktur gedroht hatte. Sollte die Feuerpause halten, dürften Handel und Schifffahrt durch die Meerenge demnächst deutlich zunehmen, sagte Griesbach.
Neben dem Konflikt im Nahen Osten trübt die US-Handelspolitik die Stimmung der Exporteure. Fast die Hälfte der Firmen erwartet für 2026 negative Folgen und ist damit pessimistischer als direkt nach Beginn des Konflikts. "Angesichts des Handelskriegs und der Eskalation im Nahen Osten sind geopolitische Unsicherheiten (67 Prozent) wenig überraschend erneut das Top-Risiko, das deutsche Exporteure um den Schlaf bringt, gefolgt von Lieferkettenrisiken", sagte Griesbach. 40 Prozent rechnen auch mit mehr Zahlungsausfällen.
Die Unternehmen haben sich demnach auf die Unsicherheiten als "neue Normalität" eingestellt. Seit Beginn des Handelsstreits haben 80 Prozent der deutschen Firmen ihre Handels- und Lieferkettenrouten angepasst. Als Reaktion setzen viele auf eine stärkere Konzentration auf geopolitisch verbündete Länder, das sogenannte "Friendshoring", sowie die Entwicklung neuer Produkte. Um Lieferkettenschocks abzufedern, bauen 60 Prozent der Betriebe ihre Lagerbestände aus und mehr als die Hälfte sucht nach neuen Lieferanten. "Seit dem Handelskrieg ist Hamstern wieder angesagt", sagt Griesbach.
Der Handelskonflikt hat die globalen Warenströme bereits verschoben. So haben die USA als Exportmarkt an Attraktivität verloren: Nur zwölf Prozent der deutschen Firmen sehen dort noch einen Wachstumsmarkt. Europa und Asien stehen dagegen stärker im Fokus für künftige Geschäfte. Chinas Anziehungskraft ist zwar weltweit gesunken, deutsche Firmen zeigen sich mit 28 Prozent aber etwas interessierter als der globale Durchschnitt. Zugleich planen 14 Prozent der deutschen Betriebe den Rückzug aus China.
Der Abschluss der laufenden Freihandelsverhandlungen könnte einer anderen Studie zufolge die Wirtschaft in der EU anschieben und die negativen Folgen der US-Zölle ausgleichen. Je nach Vereinbarung der neuen Handelsabkommen würde sich die Wertschöpfung in der Industrie dauerhaft um bis zu 1,1 Prozent erhöhen und die europäische Wirtschaftsleistung um 0,43 Prozent zulegen, erklärte das Münchner Ifo-Institut zu einer Analyse des Forschungsnetzwerks EconPol Europe. "Neue Handelsabkommen mit den Mercosur-Staaten, Indien, Australien, den Vereinigten Arabischen Emiraten und den südostasiatischen Staaten könnten die europäische Wirtschaft mittelfristig wieder etwas ankurbeln, trotz der schädlichen Auswirkungen der US-Zölle auf den Welthandel", sagte Ifo-Forscherin Lisandra Flach.
| (Bericht von Klaus Lauer; redigiert von Sabine | Ehrhardt - | Bei |
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