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08.04.2026 /12:31:53
FOKUS 1-Reedereien auch nach Nahost-Waffenruhe vorsichtig - aber optimistischer

(Neu:Details, norwegischer Reederverband, Hintergrund)
 
*Hapag-Lloyd-Chef: Gutes Zeichen - Probleme aber noch
Wochen
 
*Habben Jansen: Sechs Hapag-Schiffe sitzen weiter fest
 
*Maersk: Sicherheit reicht für Normalbetrieb noch nicht
aus
 
Berlin, 08. Apr (Reuters) - Große Containerreedereien in
Deutschland und Skandinavien erwarten trotz der US-iranischen
Waffenruhe keine schnelle Rückkehr zur Normalität in der Straße
von Hormus. Der Chef des deutschen Branchenprimus
Hapag-LLoyd <HLAG.DE>, Rolf Habben Jansen, sprach am Mittwoch
zwar von einer sehr guten Nachricht. Er hoffe, dass es auch über
die ausgehandelten zwei Wochen hinaus zur Entspannung komme und
die sechs im Golf festsitzenden Hapag-Schiffe bald wieder
ablegen könnten. Probleme mit dem regionalen Routennetzwerk
werde es aber in jedem Fall noch mindestens sechs bis acht
Wochen geben. Die dänische Maersk erklärte, die
Sicherheit reiche für einen Normalbetrieb noch nicht aus.
Ähnlich äußerte sich der norwegische Reederverband.

Die Entwicklung sei positiv und werde sich hoffentlich über die vereinbarten zwei Wochen Waffenruhe hinaus fortsetzen, sagte der Hapag-Lloyd-Chef weiter. "Wir hoffen, in den nächsten Monaten zur Normalität zurückkehren zu können." An Bord der im Golf zusammen mit rund 1000 anderen Schiffen gestrandeten Hapag-Lloyd-Frachter befinden sich früheren Angaben zufolge 150 Seeleute. Sicherheit habe absolute Priorität, betonte Habben Jansen. Keiner der festsitzenden Hapag-Frachter habe bisher die Straße von Hormus passiert.

HAPAG WEIST POST AUF X ZU HORMUS-PASSAGE ALS FALSCH ZURÜCK

Auf Anfrage der Nachrichtenagentur Reuters, die an dem Kunden-Call teilnehmen konnte, wies er einen anderslautenden Bericht auf dem Kurznachrichtenportal X als falsch zurück. Darin hieß es auch, Hapag habe eine "Gebühr" bezahlt und sei von den Revolutionsgarden eskortiert worden. Dies entspreche nicht den Tatsachen, betonte Habben Jansen. Vergangene Woche gab es Berichte, denen zufolge ein Containerschiff der französischen Reederei CMA CGM die Straße von Hormus passiert habe.

Die USA haben sich mit dem Iran auf eine zweiwöchige Feuerpause verständigt und damit eine weitere Eskalation des seit mehr als fünf Wochen anhaltenden Krieges vorerst abgewendet. Das schürte Hoffnungen auf eine Normalisierung des Schiffsbetriebs in der Straße von Hormus. Die dem Persischen Golf vorgelagerte Meerenge ist seit Wochen praktisch nicht passierbar, weil Handelsschiffen Angriffe drohen. Das erhöht die Kosten für die Reedereien und inzwischen auch deren Kunden, vor allem weil die Schiffe Umwege fahren müssen und mehr Treibstoff verbrauchen. Zudem wuchs zuletzt die Sorge vor Lieferengpässen.

Ungeachtet der jüngsten Waffenruhe sorge der Konflikt im Nahen Osten für starke Störungen der Schifffahrt und auch der Lieferketten, sagte Habben Jansen weiter. Er sprach von Extrakosten für Hapag-Lloyd von wöchentlich 50 bis 60 Millionen Dollar. Zuletzt hatte er sie noch auf 40 bis 50 Millionen Dollar beziffert und betont, dass sie in dieser Höhe dauerhaft nicht tragbar seien.

Die dänische Großreederei Maersk, die einige Strecken in Kooperation mit Hapag-Lloyd anbietet, erklärte: Die zweiwöchige Waffenruhe könne einige Möglichkeiten eröffnen, Schiffe durch die bisher faktisch vom Iran blockierte Straße von Hormus zu schicken. Allerdings gebe es noch nicht genug Sicherheit, um zu einem normalen Betrieb zurückzukehren.

Auch nach Ansicht des norwegischen Reederverbandes (NSA) hat die Waffenruhe noch nicht genug Klarheit gebracht, um Fahrten durch die Meerenge wieder aufzunehmen. Die Sicherheitslage am Golf bleibe ungewiss, erklärte der NSA, der 130 Unternehmen mit weltweit rund 1500 Schiffen vertritt. "Wir nehmen die Signale für eine Waffenruhe zur Kenntnis, die Lage in der Straße von Hormus bleibt jedoch ungeklärt und unvorhersehbar", sagte NSA-Chef Knut Arild Hareide.

(Bericht von Elke Ahlswede, Ludwig Burger, Stine Jacobsen, Louise Rasmussen und Jesus Calero, redigiert von Ralf Banser. Bei Rückfragen wenden Sie sich bitte an unsere Redaktion unter berlin.newsroom@thomsonreuters.com (für Politik und Konjunktur) oder frankfurt.newsroom@thomsonreuters.com (für Unternehmen und Märkte).)

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