| (Weitgehend neu) | |
| * | Weitere Eskalation in Nahost vorerst abgewendet |
| * | Trump und Teheran beanspruchen Sieg für sich |
| * | Merz: Werden uns an Sicherung von Straße von Hormus |
| beteiligen | |
| * | Israel setzt Offensive im Südlibanon fort |
| - von Steve Holland und Parisa Hafezi und Alexander Cornwell | |
| Washington/Dubai/Tel Aviv, 08. Apr (Reuters) - Die USA | |
| und der Iran haben sich unter Vermittlung Pakistans auf eine | |
| zweiwöchige Feuerpause geeinigt und damit eine weitere | |
| Eskalation in letzter Minute abgewendet. Mit dem Schritt wird | |
| der mittlerweile sechswöchige Krieg ausgesetzt, der Tausende | |
| Menschenleben gefordert, sich über den Nahen Osten ausgeweitet | |
| und zu beispiellosen Störungen der weltweiten Energieversorgung | |
| geführt hat. US-Präsident Donald Trump verkündete das Abkommen | |
| am späten Dienstagabend ? zwei Stunden vor Ablauf eines | |
| Ultimatums, in dem er dem Iran mit der Zerstörung seiner | |
| "gesamten Zivilisation" gedroht hatte, sollte die Blockade der | |
| Straße von Hormus nicht beendet werden. | |
Der pakistanische Ministerpräsident Shehbaz Sharif erklärte, er habe iranische und US-Delegationen für Freitag zu den ersten offiziellen Friedensgesprächen seit Kriegsbeginn Ende Februar nach Islamabad eingeladen. Der iranische Präsident habe seine Teilnahme zugesagt. US-Vizepräsident JD Vance, der als möglicher Leiter der US-Delegation gilt, sagte, Trump habe die Unterhändler angewiesen, eine Einigung anzustreben. Er bestätigte jedoch weder Zeit noch Ort der Gespräche.
Voraussetzung für die Feuerpause ist Trump zufolge die Zusage des Iran, die Blockade von Öl- und Gaslieferungen durch die Meerenge von Hormus auszusetzen. Bis Mittwochnachmittag hatten noch keine Schiffe die Wasserstraße passiert. Der iranische Außenminister Abbas Araghtschi teilte jedoch mit, Teheran werde seine Gegenangriffe einstellen und eine sichere Durchfahrt gewähren, sofern die Angriffe auf den Iran aufhörten.
Bundeskanzler Friedrich Merz begrüßte die Entwicklung und erklärte die Bereitschaft Deutschlands, sich an einer Sicherung der Straße von Hormus zu beteiligen. "Deutschland wird in geeigneter Weise dazu beitragen, die freie Schifffahrt in der Hormus-Straße zu gewährleisten", erklärte der Kanzler am Mittwochmorgen. Die Bundesregierung unterstütze die diplomatischen Bemühungen, dass der Krieg jetzt ende. "Dazu steht sie in engem Austausch mit den USA und anderen Partnern."
Durch die Straße von Hormus wird üblicherweise etwa ein Fünftel der weltweiten Öl- und Flüssiggaslieferungen abgewickelt. Die Aussicht auf ein Ende der historisch schwersten Störung der globalen Energiemärkte führte zu einem starken Rückgang der Ölpreise und einem Kursfeuerwerk an den weltweiten Aktienmärkten. Reedereien forderten jedoch weitere Sicherheitsgarantien. "Jede Entscheidung, die Straße von Hormus zu durchqueren, wird auf kontinuierlichen Risikobewertungen, einer genauen Überwachung der Sicherheitslage und den verfügbaren Leitlinien der zuständigen Behörden und Partner basieren", teilte die Containerreederei Maersk mit.
Sollten die Friedensgespräche am Freitag in Islamabad beginnen, bleiben die Hauptforderungen der Konfliktparteien zunächst ungelöst. Washington hat einen 15-Punkte-Plan vorgelegt, der Iran antwortete mit einem eigenen Zehn-Punkte-Plan. Trump räumte in der Nacht den Erhalt des iranischen Plans ein und bezeichnete ihn als "brauchbare Grundlage für Verhandlungen". Der iranische Sicherheitsrat wertete dies als grundsätzliche Akzeptanz seiner Bedingungen, die die Aufhebung aller Sanktionen, Entschädigungen für Schäden und die Kontrolle über die Meerenge umfassen.
Einem israelischen Beamten zufolge versicherten hochrangige Vertreter der Trump-Regierung Israel jedoch, sie würden auf früheren Bedingungen beharren, wie der Beseitigung des iranischen Nuklearmaterials, einem Stopp der Anreicherung und der Vernichtung ballistischer Raketen.
Beide Seiten beanspruchten den Sieg für sich, auch wenn die Hauptstreitpunkte ungelöst blieben. Trump sprach gegenüber der französischen Nachrichtenagentur AFP von einem "totalen und vollständigen Sieg" und erklärte auf seiner Plattform Truth Social, die USA hätten ihre militärischen Ziele erreicht. Der Oberste Nationale Sicherheitsrat des Iran teilte in einer Erklärung mit: "Der Feind hat in seinem ungerechten, illegalen und kriminellen Krieg gegen die iranische Nation eine unbestreitbare, historische und vernichtende Niederlage erlitten."
In Teheran feierten in der Nacht Menschenmengen auf den Straßen, schwenkten iranische Flaggen und verbrannten Fahnen der USA und Israels. Dennoch blieb Skepsis. "Israel wird nicht zulassen, dass die Diplomatie funktioniert, und Trump könnte morgen seine Meinung ändern. Aber zumindest können wir heute Nacht ohne Angriffe schlafen", sagte der 29-jährige Regierungsangestellte Alireza der Nachrichtenagentur Reuters am Telefon.
Der Krieg war am 28. Februar von Trump und dem israelischen Ministerpräsidenten Benjamin Netanjahu begonnen worden. Ihr Ziel war es, das iranische Atom- und Raketenprogramm zu beenden und die Voraussetzungen für einen Sturz der Führung in Teheran zu schaffen. Bislang hat der Krieg den Iran jedoch weder seines fast waffenfähigen, hochangereicherten Urans noch seiner Fähigkeit beraubt, Nachbarländer mit Raketen und Drohnen anzugreifen. Die klerikale Führung überstand die Angriffe ohne Anzeichen von innerstaatlicher Opposition. Zudem könnte die neu bewiesene Fähigkeit Teherans, die Energieversorgung am Golf trotz der massiven US-Militärpräsenz abzuschneiden, die Machtverhältnisse in der Region auf Jahre hinaus verändern.
Das Büro Netanjahus erklärte, Israel unterstütze die Aussetzung der Angriffe auf den Iran für zwei Wochen. Das Abkommen gilt jedoch als Rückschlag für den israelischen Regierungschef, der wiederholt den Sturz der iranischen Führung gefordert hatte. "Es gab in unserer gesamten Geschichte noch nie eine derartige diplomatische Katastrophe", sagte der Oppositionspolitiker Jair Lapid. Der ehemalige stellvertretende Generalstabschef Jair Golan nannte das Ergebnis ein "völliges Scheitern, das die Sicherheit Israels gefährdet" habe. "Das Atomprogramm wurde nicht zerstört. Die ballistische Bedrohung bleibt bestehen. Das Regime ist immer noch intakt und geht sogar gestärkt aus diesem Krieg hervor", schrieb er auf X.
Die israelische Offensive im Libanon, wo die Armee im März auf der Jagd nach der pro-iranischen Hisbollah-Miliz einmarschiert war, wurde durch das Abkommen nicht gestoppt. Die libanesische staatliche Nachrichtenagentur NNA meldete weiterhin israelische Angriffe im Südlibanon, darunter Artilleriebeschuss und einen Luftangriff im Morgengrauen auf ein Gebäude in der Nähe eines Krankenhauses, bei dem vier Menschen getötet wurden.
(Mitarbeit Enas Alashray, Ahmed Tolba und Jasper Ward sowie weitere Reuters-Büros Bearbeitet von Alexander Ratz Redigiert von Sabine Ehrhardt Bei Rückfragen wenden Sie sich bitte an unsere Redaktion unter berlin.newsroom@thomsonreuters.com)