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08.04.2026 /17:00:52
INTERVIEW-Tankstellen-Verband: "Preise sind zu hoch" - Hoffnung auf Entspannung

*Tankstellen hoffen auf sinkende Preise ab nächster
Woche
 
*Forderung: Energiesteuer in Krisen per Beschluss senken
können
 
-von Claudia Doerries
Berlin, 08. Apr (Reuters) - Der Bundesverband Freier
Tankstellen (BFT) rechnet mit einem Rückgang der hohen
Spritpreise, wegen hoher Einkaufskosten aber nur langsam. "Es
ist nicht verwunderlich, dass um 12 Uhr, dem einzigen Punkt,
wenn die Preise erhöht werden dürfen, die Preise steigen", sagte
Verbands-Hauptgeschäftsführer Daniel Kaddik am Mittwoch
Reuters-TV. Dies habe mit den hohen Einkaufspreisen im Großmarkt
zu tun. "Wir hoffen allerdings jetzt sehr, dass durch die
Entspannung im Nahen Osten sich auch mittelfristig die Preise
ein bisschen nach unten bewegen werden, weil sie sind zu hoch."

Die im Iran-Krieg vereinbarte Waffenruhe habe bereits zu einer Erwartungshaltung geführt. "Die Hoffnung scheint im Markt zu sein, dass sich die Lage jetzt entspannt. Dadurch sind die Weltmarktpreise gesunken", sagte Kaddik. Es gebe jedoch eine Verzögerung. "Dass sie sich allerdings von Rohöl über den Transport bis hin zur Produktion von Benzin und Diesel durchgearbeitet haben, das wird noch ein paar Tage dauern", erklärte der Verbandschef. "Und wir hoffen, dass, wenn die Lage stabil bleibt (...), dass ab nächster Woche die Preise vernünftig sinken."

Die neue 12-Uhr-Regel für Preiserhöhungen lehnte Kaddik ebenso ab wie Forderungen nach einem Eingreifen des Kartellamts. "Wovor ich mir allerdings viel größere Sorgen mache, ist vor der Fantasie von Politikerinnen und Politikern dieser Tage, weil wir gemerkt haben, dass die 12-Uhr-Regelung nichts gebracht hat", sagte Kaddick. Der Kraftstoffmarkt stehe bereits wie kein anderer unter Beobachtung des Kartellamts.

Stattdessen schlug er einen "Resilienzmechanismus" vor, der es der Regierung in Krisenzeiten ermögliche, die Energiesteuer per Kabinettsbeschluss zu senken. Allein die Energiesteuer betrage bei Diesel 47 Cent und bei Benzin über 60 Cent pro Liter. Die aktuelle Politik helfe den Betroffenen nicht. "In Deutschland redet man lieber darüber, im nächsten Jahr die Pendlerpauschale bei der Steuererklärung geltend machen zu können", kritisierte Kaddik. "Das hilft weder den Autofahrerinnen und Autofahrern, noch dem Mittelstand, noch der Industrie, die jetzt unter den hohen Preisen leidet."

Dass Preise schneller stiegen als sie fielen, sei kaufmännisch logisch, erklärte der Verbandschef. Tankstellen müssten erst teuer eingekaufte Ware abverkaufen, bevor sie Preissenkungen weitergeben könnten. Langfristig sei eine Rückkehr auf das Preisniveau von vor dem Krieg aber möglich. "Ich gehe schon davon aus, dass wir auf ein Vorkriegsniveau wieder zurückkommen können, wenn die internationalen Versorgungswege wieder klar sind", sagte Kaddik. "Die Wege sind jetzt teilweise, im wahrsten Sinne des Wortes, blockiert. Wenn die wieder frei sind, sollten wir wieder runterkommen."

Nach der Ankündigung der Waffenruhe war der Ölpreis um rund 15 Prozent gefallen. Die Mineralölwirtschaft in Deutschland erklärte jedoch, entscheidend für die Preise an der Tankstelle seien die an den Börsen gehandelten Preise für fertige Kraftstoffe, nicht der Rohölpreis.

(Geschrieben von Holger Hansen. Redigiert von Ralf Bode. Bei Rückfragen wenden Sie sich bitte an unsere Redaktion unter berlin.newsroom@thomsonreuters.com)

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