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08.04.2026 /17:43:36
FOKUS 2-Libanon meldet 89 Tote bei israelischen Angriffen

(Neu: Katz, Angriffe, Netanjahu)
 
*Israels Verteidigungsminister: Schwerer Schlag gegen
Hisbollah
 
*Libanesisches Gesundheitsministerium berichtet von
vielen Opfern
 
*Wadephul bittet israelischen Kollegen um Zurückhaltung
 
*Schon mehr als 1200 Tote
 
Jerusalem/Berlin, 08. Apr (Reuters) - Ungeachtet der
Waffenruhe zwischen den USA und dem Iran weitet Israel seine
Angriffe im Libanon aus. Die jüngsten Bombardierungen Israels
seien die schwersten, die das Land seit Beginn des Krieges
zwischen der Hisbollah und Israel Anfang März erlebt habe,
erfuhr die Nachrichtenagentur Reuters am Mittwoch aus
libanesischen Sicherheitskreisen. Das libanesische
Gesundheitsministerium sprach von 89 Toten und 700 Verletzten
bei den Angriffen auf die Hauptstadt Beirut und andere Orte.

Der israelische Verteidigungsminister Israel Katz wiederum bezeichnete die Angriffe als schweren Schlag gegen die Hisbollah-Miliz - die ihrerseits ihre Angriffe aber nach Angaben aus libanesischen Sicherheitskreisen am Mittwochmorgen eingestellt hatte. Iranische Medien berichten, dass die iranische Führung die Straße von Hormus für den Schiffsverkehr erst freigeben will, wenn Israel auch seine Angriffe im Libanon stoppt.

Israels Regierungschef Benjamin Netanjahu hatte erklärt, dass die Waffenruhe zwar für den Iran gelte, aber nicht für den Libanon. Netanjahu widersprach damit den Äußerungen des pakistanischen Premierministers Shehbaz Sharif, der gesagt hatte, die zwischen den USA und dem Iran ausgehandelte Waffenruhe würde auch den Libanon einschließen.

Das israelische Militär teilte mit, es habe den größten koordinierten Angriff des Krieges ausgeführt. Mehr als 100 Kommandozentralen und Militärstützpunkte der Hisbollah in Beirut, der Bekaa-Ebene und im Südlibanon seien angegriffen worden. Katz sagte, Israel habe der Hisbollah den schwersten konzentrierten Schlag seit der Operation im September 2024 versetzt, bei der Tausende von Pager-Geräten der Gruppe explodierten.

RAUCHWOLKEN ÜBER BEIRUT

Mehrere Explosionen erschütterten Beirut und ließen Rauchwolken über der Hauptstadt aufsteigen. Bei einem der Angriffe auf ein dicht besiedeltes Viertel kamen mindestens zwölf Menschen ums Leben, wie aus Sicherheitskreisen verlautete. Blutüberströmt ließen Menschen in Beirut ihre Autos im Verkehr stehen und begaben sich zum nächstgelegenen Krankenhaus, wie Augenzeugen von Reuters berichteten.

Nach Beginn der US-israelischen Angriffe auf den Iran am 28. Februar hatte die mit Teheran verbündete Hisbollah-Miliz Raketen auf Israel abgefeuert. Die israelische Armee marschierte danach im Südlibanon ein und will das Grenzgebiet auf libanesischer Seite unbewohnbar machen. In den Dörfern nahe der gemeinsamen Grenze sollten alle Häuser zerstört werden, hatte Verteidigungsminister Israel Katz vergangene Woche angekündigt. Die rund 600.000 aus dem Süden des Nachbarlandes geflohenen Menschen dürften erst in ihre Heimat zurückkehren, wenn der Norden Israels wieder sicher sei. Zudem bekräftigte der Minister die Pläne, nach dem Ende des Krieges eine Pufferzone im Südlibanon einzurichten.

Außenminister Johann Wadephul hat seinen israelischen Kollegen Gideon Saar nach Angaben eines Sprechers in Berlin in einem Gespräch aufgefordert, "dass sich Israel auf die notwendige Selbstverteidigung gegen die Hisbollah beschränkt und nicht darüber hinausgeht". Ziel müsse es sein, in den nächsten Tagen ein dauerhaftes Ende des Krieges auszuhandeln.

Der SPD-Außenpolitiker Adis Ahmetovic forderte ebenfalls ein Ende der Kämpfe im Libanon. "Hier sind die Bundesregierung und die Europäische Union besonders gefordert, den politischen Druck zu erhöhen ? auch auf den israelischen Premierminister ?, um gemeinsam mit der libanesischen Regierung den Weg zu einer nachhaltigen Lösung zu ebnen", sagte er Reuters. Seit Beginn der israelischen Offensive gegen die Hisbollah am 2. März sind im Libanon mehr als 1,2 Millionen Menschen vertrieben und 1200 getötet worden.

(Bericht von Reuters-Büros und Andreas Rinke Redigiert von Scot W. Stevenson Bei Rückfragen wenden Sie sich bitte an unsere Redaktion unter berlin.newsroom@thomsonreuters.com (für Politik und Konjunktur) oder frankfurt.newsroom@thomsonreuters.com (für Unternehmen und Märkte).)

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