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08.04.2026 /18:38:57
TOP-THEMA-Börsen auf Höhenflug - Ölpreis bricht ein

* Dax mit größtem Tagesplus seit 2022
 
*Auch US-Börsen steigen kräftig
 
*Experte: "Es gibt noch viele offene Fragen"
 
*Aussicht auf Ende der Engpässe drückt
Düngemittelanbieter
 
(Neu: Aktualisiert)
- von Sanne Schimanski und Anika Ross
Frankfurt, 08. Apr (Reuters) - Die Ankündigung einer
zweiwöchigen Waffenruhe im Iran-Krieg hat an den Börsen ein
Kursfeuerwerk gezündet. Der Dax <.GDAXI> sprang am Mittwoch um
5,1 Prozent auf 24.080 Punkte, der EuroStoxx50 <.STOXX50E>
kletterte ebenfalls um fünf Prozent. Beide Börsenbarometer
verbuchten damit den größten Tagesgewinn seit März 2022. Die
wichtigsten US-Indizes <.SPX> <.IXIC> gewannen je mehr als
zwei Prozent. Der europäische Stoxx-Volatilitätsindex,
der als Angstbarometer gilt, fiel zum ersten Mal seit über drei
Wochen unter 25 Punkte. "Für die Märkte verringert ein
Waffenstillstand das kurzfristige Eskalationsrisiko erheblich",
sagte Investmentexperte Ray Sharma-Ong von Aberdeen Investments.

Die Zustimmung der USA erfolgte weniger als zwei Stunden vor Ablauf einer von US-Präsident Donald Trump gesetzten Frist. Als Bedingung forderte er, dass der Iran seine weitgehende Blockade der für Öltransporte wichtigen Straße von Hormus aufhebt. Die Ölpreise gingen in die Knie: Nordsee-Rohöl der Sorte Brent und US-Leichtöl WTI <CLc1> verbilligten sich um jeweils rund 15 Prozent. Zuletzt lagen die Preise bei 94,72 und 95 Dollar je Fass (159 Liter).

ANLEGER SCHWANKEN ZWISCHEN EUPHORIE UND SKEPSIS

Für nachhaltige Euphorie sei es aber noch zu früh, warnten Marktbeobachter. Die Lage bleibe fragil und ein diplomatischer Durchbruch bei den Friedensverhandlungen in Pakistan sei keineswegs gesichert, sagten Raiffeisen-Analysten. "Politisch bleibt die Situation für Donald Trump komplex: Er steht unter Zugzwang, innerhalb der nächsten zwei Wochen einen gesichtswahrenden Auszug aus dem Konflikt zu finden, während Teheran kaum Konzessionen machen dürfte."

Der Iran könnte sich laut Saul Kavonic von MST Marquee selbst bei einem Abkommen ermutigt fühlen, die Straße von Hormus künftig häufiger zu bedrohen. Zudem dürfte die Wiederaufnahme des regen Schiffsverkehrs selbst bei zügiger Umsetzung nur schrittweise erfolgen, schrieben die Analysten der LBBW. Damit blieben anhaltende Lieferkettenstörungen an den Energie- und Gütermärkten ein "nicht zu unterschätzendes" Risiko. In Normalzeiten passierten der LBBW zufolge rund 135 Schiffe täglich die Meerenge. An den Terminmärkten keimte die Hoffnung auf sinkende Zinsen wieder etwas auf, was die Anleiherenditen drückte. Die zehnjährigen US-Staatsanleihen rentierten mit 4,270 Prozent nach zuvor 4,343 Prozent. Die Erwartung einer lockereren Geldpolitik macht bestehende Anleihen mit höheren Kupons im Vergleich zu künftig niedrig verzinsten Papieren attraktiver. Der US-Dollar notierte schwächer, während sich Gold <XAU=> um rund ein Prozent je Feinunze verteuerte.

ENERGIEABHÄNGIGE SEKTOREN GEWINNEN - K+S UNTER DRUCK

Zu den größten Gewinnern gehörten Aktien aus dem Reise- <.SXTP>, Industrie- <.SXNP>, Bank- <.SX7E> und Technologiesektor <.SX8P>, die als Hauptprofiteure niedrigerer Energiekosten und fallender Anleiherenditen gelten. Die entsprechenden Branchenindizes kletterten um 6,2 bis sieben Prozent. Stahlaktien gehörten ebenso zu den Favoriten: Salzgitter <SZGG.DE> hoben um 15,15 Prozent ab. Die Erholungswelle trieb auch die Rüstungswerte an. Der europäische Sektorindex <.SXPARO> stieg um 6,7 Prozent und damit so stark wie seit rund einem Jahr nicht mehr. Im vergangenen Monat hatte er rund 8,5 Prozent eingebüßt, da europäische Staaten eine Teilnahme an dem Krieg der USA und Israels gegen Iran verweigert hatten.

Der Energie-Sektorindex <.SXEP> rutschte hingegen im Sog der Ölpreise um zwei Prozent ab. Um acht Prozent nach unten ging es für K+S <SDFGn.DE>. Ein Händler verwies darauf, dass der Düngemittelkonzern zuletzt von stockenden Kali-Exporten aus dem Nahen Osten profitiert hatte. Aktien des norwegischen Rivalen Yara brachen um rund zehn Prozent ein.

(redigiert von Scot W. Stevenson Bei Rückfragen wenden Sie sich an unsere Redaktion unter berlin.newsroom@thomsonreuters.com (für Politik und Konjunktur) oder frankfurt.newsroom@thomsonreuters.com (für Unternehmen und Märkte).)



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