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09.04.2026 /20:52:55
EXKLUSIV-Insider: Trump erwägt Abzug von US-Truppen aus Europa

- von Gram Slattery und Steve Holland
Washington, 09. Apr (Reuters) - US-Präsident Donald
Trump hat mit Beratern über einen möglichen Abzug von US-Truppen
aus Europa gesprochen. Auslöser seien sein Ärger über die
mangelnde Unterstützung der Nato-Verbündeten bei der Sicherung
der Straße von Hormus sowie der Widerstand gegen die Übernahme
Grönlands, sagte ein hochrangiger Regierungsvertreter am
Donnerstag der Nachrichtenagentur Reuters. Es sei jedoch noch
keine Entscheidung gefallen, und das Verteidigungsministerium
sei nicht angewiesen worden, konkrete Pläne für eine
Truppenreduzierung auszuarbeiten. Der Insider betonte, Trump
erörtere, Soldaten in die USA zurückzuholen. Die Zeitung "Wall
Street Journal" hatte am Mittwoch berichtet, die Regierung
erwäge, Truppen aus Staaten abzuziehen, die sich kritisch über
den US-israelischen Krieg im Iran geäußert hätten, und sie in
unterstützende europäische Länder zu verlegen.

Die USA haben mehr als 80.000 Soldaten in Europa stationiert, davon mehr als 30.000 in Deutschland. Weitere größere Kontingente befinden sich in Italien, Großbritannien und Spanien. Die Überlegungen belegen, wie sehr sich die Beziehungen zwischen Washington und den europäischen Nato-Verbündeten verschlechtert haben. Ein Besuch von Nato-Generalsekretär Mark Rutte im Weißen Haus am Mittwoch brachte offenbar keine wesentliche Entspannung. Die Nato reagierte zunächst nicht auf eine Bitte um Stellungnahme.

Trump wirft den europäischen Hauptstädten seit Jahren vor, zu wenig für Verteidigung auszugeben. Zuletzt spitzte sich die Lage zu: Im Januar sorgte der US-Präsident mit erneuten Drohungen, das zu Dänemark gehörende Grönland zu annektieren, für eine transatlantische Krise. Seit dem Ausbruch des Krieges mit dem Iran am 28. Februar zeigte er sich zudem verärgert darüber, dass die Nato-Partner keine Hilfe bei der Wiederöffnung der Straße von Hormus angeboten haben. Die für die weltweite Energieversorgung wichtige Route ist trotz eines in dieser Woche verkündeten, fragilen Waffenstillstands weitgehend gesperrt. Nato-Diplomaten zufolge ließen die USA bislang offen, welche konkreten Einsätze sie von den einzelnen Mitgliedsstaaten erwarten.

(Geschrieben von Hans Busemann. Bei Rückfragen wenden Sie sich bitte an unsere Redaktion unter berlin.newsroom@thomsonreuters.com (für Politik und Konjunktur) oder frankfurt.newsroom@thomsonreuters.com (für Unternehmen und Märkte)

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