Nachricht


09.04.2026 /11:02:58
Zurück in die Hallen - Mehrzahl der Dax-Hauptversammlungen in Präsenz

München, 09. Apr (Reuters) - Zum ersten Mal seit dem Ausbruch der Corona-Pandemie laden die Dax <.GDAXI>-Unternehmen in diesem Jahr ihre Aktionäre wieder mehrheitlich zu Hauptversammlungen in große Messe- oder Stadthallen ein. Nach einer Auswertung der Nachrichtenagentur Reuters richten mindestens 22 der 40 Konzerne 2026 eine Präsenz-Hauptversammlung aus. Im vergangenen Jahr waren es nur 14. Doch der Druck großer Aktionäre hat offenbar Wirkung gezeigt. Der einflussreiche Aktionärsberater ISS <DB1Gn.DE> hatte sich an die Spitze der Bewegung gesetzt, die eine Rückkehr vom virtuellen zum Live-Format zumindest im turnusmäßigen Wechsel forderte. Der Münchner Technologiekonzern Siemens <SIEGn.DE> hatte sich 2025 eine empfindliche Abstimmungsniederlage eingehandelt und musste im Februar nach sechs Jahren wieder vom Online-Studio in der Unternehmenszentrale in die Olympiahalle ziehen.

Das alarmierte andere Unternehmen. Mindestens zehn Dax-Konzerne wechseln oder wechselten in diesem Jahr vom virtuellen Format zur Präsenz-Hauptversammlung: Neben Siemens waren das die Allianz <ALVG.DE>, BASF <BASFn.DE>, die Deutsche Bank <DBKGn.DE>, Hannover Rück <HNRGn.DE>, Infineon <IFXGn.DE>, Merck <MRCG.DE>, MTU Aero Engines <MTXGn.DE>, Siemens Energy <ENR1n.DE> und Vonovia <VNAn.DE>. Mit BMW <BMWG.DE> hält nur ein Unternehmen aus dem Dax, das 2025 in Präsenz eingeladen hatte, in diesem Jahr eine virtuelle Hauptversammlung ab. Die Porsche SE <PSHG_p.DE> und Qiagen <QIA.DE> haben noch keine offiziellen Einladungen verschickt. Qiagen hatte allerdings 2025 seine Aktionäre persönlich begrüßt.

Das virtuelle Format war in der Corona-Pandemie eingeführt und 2022 gesetzlich legitimiert worden. Die Aktionäre müssen aber in regelmäßigen Abständen dafür grundsätzlich grünes Licht geben, in der Regel alle zwei Jahre.

"Die Renaissance der Präsenz-Hauptversammlung im Dax ist ein wichtiges Signal für die Aktienkultur und Aktionärsdemokratie in Deutschland", sagt Portfoliomanager Janne Werning, der sich bei der Fondsgesellschaft Union Investment auch um Themen rund um gute Unternehmensführung kümmert. "Hoffentlich bleibt es dabei." Das ist freilich keine ausgemachte Sache. Denn nicht alle Dax-Konzerne haben das Live-Format aus eigener Überzeugung gewählt.

"DIREKTER DIALOG DURCH KEINEN VIDEOSTREAM ZU ERSETZEN"

Die Allianz begründet die Einladung in die Olympiahalle für den 7. Mai vor allem mit dem Abschied des langjährigen Aufsichtsratschefs Michael Diekmann. Die Deutsche Bank hat sich nur zu einer Präsenz-Veranstaltung in vier Jahren verpflichtet. "Den nun eingeläuteten turnusmäßigen Wechsel zwischen Präsenz- und virtuellem Format halten wir für gut geeignet, um die Vorzüge beider Varianten in Einklang zu bringen", erklärte Aufsichtsratschef Alexander Wynaendts. Und bei Siemens gaben sich 83 Prozent der Aktionäre - einschließlich ISS - mit einer Regelung zufrieden, nach der das Unternehmen nur einmal in fünf Jahren in Präsenz einladen muss.

Union-Investment-Manager Werning gefällt das nicht: "Das virtuelle Format ist nur auf dem Papier eine gleichwertige Option, aber nicht in der Realität. Der direkte Dialog lässt sich durch keinen Videostream der Welt ersetzen."

(Bericht von Alexander Hübner, redigiert von Philipp Krach. Bei Rückfragen wenden Sie sich bitte an unsere Redaktion unter berlin.newsroom@thomsonreuters.com (für Politik und Konjunktur) oder frankfurt.newsroom@thomsonreuters.com (für Unternehmen und Märkte).)

Hinsichtlich weiterer Informationen und einer gegebenenfalls erforderlichen Offenlegung potenzieller Interessenkonflikte nach § 85 WpHG der für die Erstellung der zugrunde liegenden Finanzinformationen oder Analysen verantwortlichen Unternehmen wird auf das Informationsangebot dieser Unternehmen (Internetseite und andere Informationskanäle) verwiesen.