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09.04.2026 /08:29:21
SPOTANALYSE-Volkswirte zum Exportplus und Produktionsrückgang im Februar

Berlin, 09. Apr (Reuters) - Die deutschen Exporteure haben im Februar und damit vor dem Iran-Krieg spürbar steigende Umsätze verbucht. Ihre Ausfuhren kletterten um 3,6 Prozent im Vergleich zum Vormonat auf 135,2 Milliarden Euro, wie das Statistische Bundesamt am Donnerstag mitteilte. Von der Nachrichtenagentur Reuters befragte Ökonomen hatten nur mit einem Plus von 1,0 Prozent gerechnet. Die deutschen Unternehmen haben ihre Produktion hingegen im Februar überraschend heruntergefahren. Industrie, Bau und Energieversorger stellten zusammen 0,3 Prozent weniger her als im Vormonat. Es war ein Zuwachs von 0,7 Prozent erwartet worden.

Hier erste Reaktionen von Volkswirten zu den frischen Konjunkturdaten:

ALEXANDER KRÜGER, CHEFVOLKSWIRT HAUCK AUFHÄUSER LAMPE:

"Ein Produktionsminus im Jahresauftaktquartal wird sich jetzt nicht mehr vermeiden lassen. Das Ergebnis enttäuscht, zumal im Februar noch nicht Krieg im Nahen Osten geführt wurde. Seither dürfte die gesperrte Straße von Hormus zu Produktionsausfällen geführt haben. Die Unsicherheit hinsichtlich der geopolitischen Lage dürfte vorerst anhalten. Damit wird eine Investitionswende weiter nach hinten verschoben. Hierzu trägt auch die überwiegend konsumtive Verwendung der Mittel aus dem Fiskalpaket bei. Unternehmen dürften ihre Fragezeichen hinter dem hiesigen Produktionsstandort beibehalten."

ELMAR VÖLKER, ANALYST LBBW:

"Der Jahresstart verlief in der deutschen Industrie überaus schleppend. Die zeitweiligen Hoffnungen auf eine Belebung, welche sich im vergangenen Herbst angedeutet hatten, haben sich damit erst mal wieder verflüchtigt. Zumal sich die Auftragseingänge, wie gestern berichtet, im Februar nur unwesentlich vom Abwärtsknick des Vormonats erholt haben. Die Folgen des Iran-Kriegs, welche in ihren Ausmaßen noch schwer abschätzbar sind, kommen nun noch erschwerend hinzu. Die hiermit verbundene Unsicherheit versetzt der zuvor in vielen Umfragen aufkeimenden Zuversicht einen Dämpfer. Es bleibt mithin ein zähes Ringen mit den strukturellen Hemmnissen in der deutschen Industrie."

(Bericht von Reinhard Becker, redigiert von Klaus Lauer - Bei Rückfragen wenden Sie sich bitte an unsere Redaktion unter berlin.newsroom@thomsonreuters.com)

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