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09.04.2026 /10:12:49
FOKUS 1-Exporte hui, Produktion pfui - Gemischte Konjunkturdaten vor Iran-Krieg

*Produktion sinkt im Februar überraschend um 0,3 Prozent
 
*Exporte steigen um 3,6 Prozent - größtes Plus seit Mai
2022
 
*Ausfuhren in USA und nach China sinken, EU-Geschäft
wächst
 
*DIHK: Iran-Krieg belastet Geschäfte deutscher Firmen
weltweit

(Neu: Fasst Produktion und Exporte zusammen, Details, Ökonomen, DIHK, Hintergrund)

Berlin, 09. Apr (Reuters) - Für die deutsche Konjunktur
gab es vor Ausbruch des Iran-Kriegs Licht und Schatten. Die
deutschen Unternehmen fuhren ihre Produktion im Februar
überraschend herunter. Industrie, Bau und Energieversorger
stellten zusammen 0,3 Prozent weniger her als im Vormonat, wie
das Statistische Bundesamt am Donnerstag mitteilte. Ökonomen
hingegen hatten mit einem Anstieg von 0,7 Prozent gerechnet.
"Die deutsche Industrie kommt nicht in Schwung", sagte Ralph
Solveen von der Commerzbank. "Damit dürfte auch die gesamte
Wirtschaft im ersten Quartal kaum gewachsen sein." Zudem sorgten
die jüngsten Aufträge für wenig Hoffnung, dass die Wirtschaft
bald von der Industrie deutlich mehr Rückenwind bekomme.

Die deutschen Exporteure verbuchten im Februar allerdings das größte Umsatzplus seit Mai 2022. Ihre Ausfuhren kletterten dem Statistikamt zufolge um 3,6 Prozent zum Vormonat auf 135,2 Milliarden Euro. "Der Sektor hält sich, trotz fehlender Wettbewerbsfähigkeit und höherer US-Zölle", sagte Chefvolkswirt Alexander Krüger von der Hauck Aufhäuser Lampe Privatbank. Impulse kamen nur von Exporten in die EU-Staaten, die um 5,8 Prozent auf 75,9 Milliarden Euro stiegen. Die Ausfuhren in den größten Einzelmarkt beim Absatz, die USA, sanken hingegen erneut - und zwar um 7,5 Prozent auf 12,2 Milliarden Euro. Dies sei bedenklich, sagte Chefökonom Thomas Gitzel von der VP Bank. "Wenn die Ausfuhren in den wichtigsten Abnehmerstaat deutscher Güter rückläufig sind, ist dies jedenfalls kein gutes Signal."



Auch das deutsche China-Geschäft büßte ein: Die Ausfuhren in die Volksrepublik sanken um 2,5 Prozent auf 6,1 Milliarden Euro. China wandelt sich zunehmend vom Absatzmarkt zum Konkurrenten für die deutsche Wirtschaft.





IRAN-KRIEG DÄMPFT AUSSICHTEN UND VERTEUERT ENERGIE

Das Exportplus im Februar sei nur ein kurzes Aufatmen, sagte Außenwirtschaftschef Volker Treier von der Deutschen Industrie- und Handelskammer (DIHK). "Der Krieg im Nahen Osten, der damit verbundene Energiepreisschock und die Störungen der Lieferketten werfen ihre Schatten voraus." Trotz der Hoffnung auf den Bestand der Waffenruhe zwischen den USA und dem Iran würden gestörte Transportwege und Schäden an der Energieinfrastruktur noch länger nachwirken. "Die Aussicht auf eine außenwirtschaftliche Erholung ist dadurch zunichte gemacht." Erste Trendzahlen des aktuellen Ausblicks der Außenhandelskammern zeigten, dass der Krieg samt Folgen die Geschäfte von 85?Prozent deutscher Firmen an ihren Standorten weltweit belaste. Die Industrieproduktion verharre zudem wegen des schon vor dem Krieg hohen Kostendrucks auf dem schwachen Vorjahresniveau. "Angesichts der Krise ist mit einer Trendwende vorerst nicht zu rechnen", sagte Treier.

"Ein Produktionsminus im Jahresauftaktquartal wird sich jetzt nicht mehr vermeiden lassen", erklärte auch Analyst Krüger. Die bisherige Bilanz für die ersten drei Monate zeige, dass die Wirtschaft ohne großen Schwung ins Jahr 2026 gestartet sei, ergänzte Gitzel. "Der starke Anstieg der Rüstungsaufträge in den vergangenen Monaten wird sich erst in einigen Monaten positiv in den Produktionsdaten niederschlagen." Auch vom Außenhandel kamen demnach bislang kaum Impulse. "Da im März die hohen Energiepreise den privaten Konsum belastete haben dürften, wird das Bruttoinlandsprodukt weiter auf der Stelle treten."

Derweil ließ der Lkw-Verkehr auf deutschen Autobahnen im März nach und sendet damit ein weiteres negatives Signal für die Wirtschaft. Die Fahrleistung mautpflichtiger Lastwagen sank kalender- und saisonbereinigt um 0,3 Prozent im Vergleich zum Vormonat, wie das Bundesamt für Logistik und Mobilität und das Statistische Bundesamt mitteilten. Der kalenderbereinigte Fahrleistungsindex lag zugleich 0,6 Prozent unter dem Niveau des Vorjahresmonats.

(Bericht von Klaus Lauer und Reinhard Becker, redigiert von Kerstin Dörr. Bei Rückfragen wenden Sie sich bitte an unsere Redaktion unter berlin.newsroom@thomsonreuters.com)

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