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09.04.2026 /12:59:54
Künftiger RBI-Chef Höllerer will Russland-Ausstieg vorantreiben

Wien, 09. Apr (Reuters) - Der künftige Chef der Raiffeisen Bank International (RBI), Michael Höllerer, will den Rückzug des Instituts aus Russland weiter vorantreiben und den Fokus stärker auf Wachstum in Osteuropa legen. Höllerer, der im Juli die Nachfolge des langjährigen Vorstandschef Johann Strobl antritt, kündigte auf der Hauptversammlung am Donnerstag in Wien zudem an, die Kooperation innerhalb der österreichischen Raiffeisen-Bankengruppe ausbauen zu wollen. Ziel sei eine profitable Bank, die Wert schaffe und den Aktionären eine angemessene Dividende ermögliche, sagte Höllerer bei seiner Vorstellung. Mit einer klaren strategischen Ausrichtung und hoher Transparenz wolle er die RBI bestmöglich am Kapitalmarkt positionieren.

Mit Blick auf das umstrittene Russland-Geschäft der Bank betonte Höllerer, der Abbau werde fortgesetzt. Er verfolge das Ziel, "konsequenter in unserer Sphäre, soweit wir das auch beeinflussen können, den Ausstieg aus Russland voranzubringen", sagte er. Die RBI ist neben der italienischen UniCredit die größte westliche Bank in Russland. Sie prüft seit Ausbruch des Ukraine-Krieges einen Rückzug aus dem Land, kommt dabei jedoch nicht voran, da ein Verkauf zahlreiche Genehmigungen von Behörden und auch von Russlands Präsident Wladimir Putin selbst erfordert. Wie schwierig ein solcher Schritt ist, zeigte sich erst kürzlich bei der niederländischen ING <INGA.AS>: Das Institut musste den geplanten Verkauf seines Russland-Geschäfts absagen, da die nötigen behördlichen Genehmigungen fehlten. Auf Druck der Europäischen Zentralbank (EZB) fährt die RBI paralell dazu ihr Geschäft in Russland deutlich zurück. Zugleich sagte Höllerer der Ukraine Unterstützung zu. Nach einem Besuch vor Ort sehe er eine führende Rolle der RBI beim Wiederaufbau der Ukraine als zentrale Aufgabe.

Großes Potenzial für die RBI sieht Höllerer in den Kernmärkten in Mittel- und Osteuropa, deren Wirtschaftswachstum deutlich über dem der Eurozone liege. Um diesen Kurs fortzusetzen, wolle er stärker auf die lokale Marktkenntnis der Netzwerkbanken setzen. Trotz geopolitischer Spannungen böten sich insbesondere im Firmenkundengeschäft große Chancen, etwa durch die Energiewende, den Ausbau der Infrastruktur sowie die Verlagerung von Lieferketten. Im Privatkundengeschäft will Höllerer verstärkt auf neue Technologien und Künstliche Intelligenz (KI) setzen, um besser auf Kundenbedürfnisse einzugehen.

Der 66-jährige Strobl hatte sich entschieden, das Amt noch vor Ablauf seines bis Februar 2027 laufenden Vertrags zu übergeben, um eine geordnete Nachfolge sicherzustellen. Der künftige RBI-Chef verfügt über mehr als 20 Jahre Erfahrung im Bankwesen und war zuletzt Chef der Raiffeisenlandesbank Niederösterreich-Wien, des größten Aktionärs der RBI. Zuvor war er unter anderem Finanzchef der RBI.

(Bericht von Alexandra Schwarz-Goerlich, redigiert von Ralf Banser. Bei Rückfragen wenden Sie sich bitte an unsere Redaktion unter berlin.newsroom@thomsonreuters.com (für Politik und Konjunktur) oder frankfurt.newsroom@thomsonreuters.com (für Unternehmen und Märkte).)

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