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09.04.2026 /17:00:55
FOKUS 2-Österreichs Raiffeisen Bank greift nach Balkan-Institut Addiko

(neu:Statement der Addiko Bank, Aktienkurs)
 
*RBI bietet 23,05 Euro je Addiko-Aktie
 
*Addiko-Führung zeigt sich überrascht über Offerte
 
*RBI will Geschäft in Kroatien, Slowenien und Österreich
behalten
 
*Serbien-Tochter soll an serbische Alta Group verkauft
werden
 
-von Alexandra Schwarz-Goerlich
Wien, 09. Apr (Reuters) - Die Raiffeisen Bank
International (RBI) treibt ihre Expansion in Osteuropa
voran und will die in Südosteuropa tätige Addiko Bank
übernehmen. Das österreichische Geldhaus bietet 23,05 Euro je
Aktie in bar, was die Addiko mit rund 450 Millionen Euro
bewertet. Der Preis entspricht laut RBI dem volumengewichteten
Durchschnittskurs der vergangenen sechs Monate. Einem von der
RBI eingeholten Gutachten zufolge liegt die Offerte rund 20
Prozent über dem ermittelten Eigenkapitalwert. An der Wiener
Börse fielen die Addiko-Titel am Donnerstag um mehr als fünf
Prozent auf 24,60 Euro, notierten damit aber weiter über dem
Angebotspreis.

Die Addiko-Führung zeigte sich überrascht: Vor der Ankündigung habe die RBI keinen Kontakt aufgenommen, teilte die Bank mit. Man werde das Angebot nach Veröffentlichung der Unterlagen gemäß dem österreichischen Übernahmegesetz prüfen und sich danach dazu äußern. Die in Wien ansässige Addiko ging aus Teilen der früheren Kärntner Bank Hypo Alpe-Adria hervor, die nach ihrer Pleite im Jahr 2009 zerschlagen wurde. Seit ihrem Börsengang 2019 stand das Institut mit seiner fragmentierten Aktionärsstruktur ohne Mehrheitseigentümer wiederholt im Visier von Investoren.

MINDESTANNAHME-QUOTE ALS HÜRDE

Die an eine Mindestannahmequote von mehr als 75 Prozent geknüpfte Transaktion sieht eine Aufspaltung von Addiko vor. Das Geschäft in Kroatien, Slowenien und Österreich will die RBI behalten. Erste-Group-Analysten zufolge ist die kroatische Tochter das Kernstück, das den größten Ergebnisbeitrag liefere. Die Töchter in Serbien, Bosnien und Herzegowina sowie Montenegro sollen an die serbische Alta Group verkauft werden, die mit 9,6 Prozent an der Addiko beteiligt ist. Der Abschluss der Transaktion wird für das vierte Quartal erwartet. Die Übernahme dürfte die harte Kernkapitalquote der RBI - ohne Berücksichtigung des Russland-Geschäfts - zunächst um rund 45 Basispunkte absenken. Nach dem für Ende 2027 geplanten Verkauf der Balkan-Töchter soll sich die Belastung auf etwa zehn Basispunkte verringern.

Die Addiko-Aktionäre haben zehn Wochen Zeit, um das Angebot anzunehmen. Analysten der Erste Group verwiesen darauf, dass der Preis keinen großen Aufschlag zu einem gescheiterten Übernahmeversuch aus dem Sommer 2024 darstelle. Damals hatte die slowenische Nova Ljubljanska Banka 22 Euro je Addiko-Aktie geboten. Zudem müsse die Empfehlung der Aufsichtsbehörden für einen vorübergehenden Dividendenstopp berücksichtigt werden, erklärten die Experten. Das geplante Aufspaltungsmodell drücke ebenfalls auf die Bewertung, da eine Einzelbewertung der Westbalkan-Geschäfte zu einem höheren Wert führen würde. Für die Aktionäre biete das Angebot nach dem jüngsten Wechsel der Addiko-Aktien vom Prime- in das Standard-Segment der Wiener Börse jedoch eine Gelegenheit, ihre Anteile zu veräußern. In diesem weniger regulierten Segment werden Aktien meist seltener und mit größeren Preisspannen gehandelt, was die Liquidität einschränkt.

Für die RBI ist der Zukauf ein weiterer Schritt, das Wachstum abseits von Russland in den Fokus zu rücken. Seit dem russischen Einmarsch in die Ukraine prüft die Bank einen Verkauf der russischen Tochter, kommt dabei jedoch nicht voran. Wegen der Sanktionen fließen auch keine Dividenden. Nach einer mehrjährigen Übernahmepause hatte RBI-Chef Johann Strobl Anfang des Jahres wieder Zukäufe in Aussicht gestellt. Ende März hatte die Bank bereits den Kauf des Rumänien-Geschäfts der spanischen BBVA für 591 Millionen Euro angekündigt.

(Redigiert von Sabine Wollrab. Bei Rückfragen wenden Sie sich an unsere Redaktion unter berlin.newsroom@thomsonreuters.com (für Politik und Konjunktur) oder frankfurt.newsroom@thomsonreuters.com (für Unternehmen und Märkte).)

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