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09.04.2026 /18:47:09
FOKUS 2-Geplatzte Friedenshoffnungen drücken Börsen in Europa

* Dax rutscht unter 24.000 Punkte - Anleger ernüchtert
 
*Ölpreise steigen wieder
 
*US-Preisdaten im Blick
 
*Lufthansa vor Streiktag unter Druck
 
(Neu: Xetra-Schlusskurse, Wall Street)
Frankfurt, 09. Apr (Reuters) - Zweifel an einem baldigen
Frieden im Nahen Osten haben der Rally an den europäischen
Börsen ein abruptes Ende bereitet. Der Dax <.GDAXI> notierte zum
Handelsschluss am Donnerstag 1,1 Prozent tiefer bei 23.806,99
Punkten. Der EuroStoxx50 <.STOXX50E> gab 0,3 Prozent auf 5896,29
Zähler nach. An der Wall Street <.SPX> <.IXIC> hoben
Kursgewinne bei Einzelwerten die wichtigsten Indizes nach
anfänglichen Einbußen hingegen erneut ins Plus.

Beflügelt von der angekündigten zweiwöchigen Waffenruhe im Iran-Krieg hatte der deutsche Leitindex am Mittwoch 5,1 Prozent zugelegt und die psychologisch wichtige Marke von 24.000 Punkten geknackt. Am Donnerstag brachte Israel mit den schwersten Angriffen auf den Libanon seit Kriegsbeginn die von US-Präsident Donald Trump vermittelte Feuerpause mit dem Iran jedoch in Gefahr. Die Attacken verletzten nach Darstellung des iranischen Präsidenten Massud Peseschkian die mit den USA vereinbarte zweiwöchige Waffenruhe. Dadurch würden Verhandlungen sinnlos, erklärte er. Dennoch reisten iranische Unterhändler nach Pakistan, um sich dort am Samstag mit einer US-Delegation zu den ersten Friedensgesprächen zu treffen.

"Das geopolitische Tauziehen entwickelt sich zunehmend zu einem Katz-und-Maus-Spiel, bei dem Anleger kaum noch klare Orientierung finden", kommentierte Experte Timo Emden vom Analysehaus Emden Research. "Die Frage, welchen Wert Vereinbarungen oder Feuerpausen tatsächlich haben, dürfte zunehmend in den Fokus rücken."

ÖLPREISANSTIEG SCHÜRT KONJUNKTURSORGEN

Am Rohstoffmarkt verteuerte sich die Rohöl-Sorte Brent aus der Nordsee um 2,6 Prozent auf 97,24 Dollar je Barrel (159 Liter). Der Preis für US-Öl WTI <CLc1> stieg um rund sechs Prozent auf 100,07 Dollar. Anleger fürchten, dass Öl- und Flüssiggaslieferungen durch die strategisch wichtige Wasserstraße von Hormus weiterhin eingeschränkt bleiben werden. Seit Kriegsbeginn sind die Ölpreise um rund 40 Prozent angestiegen.

Zudem wächst die Sorge, dass die gestiegene Inflation sich bald stärker in den Wirtschaftsdaten niederschlagen wird. "Die Öl-, Gas- und Energiepreise dürften auch in den kommenden Monaten auf einem hohen Niveau bleiben, unter anderem auch durch Logistikprobleme und zerstörte Kapazitäten", schrieben die Experten des Vermögensverwalters DJE Kapital. Dies dürfte die Weltwirtschaft beeinträchtigen. Die deutschen Unternehmen fuhren ihre Produktion im Februar überraschend herunter und stellten 0,3 Prozent weniger her als im Vormonat.

Nun blicken Anleger auf den offiziellen US-Inflationsbericht für März, der am Freitag veröffentlicht wird. Die Teuerungsraten und die Zinspolitik der Notenbank stellten die Weichen für den weiteren Trend am Aktienmarkt, sagte Andreas Lipkow, Chefanalyst des Brokers CMC Markets. Die am Mittwochabend veröffentlichten Protokolle der vergangenen Sitzung der US-Notenbank Fed zeigten, dass eine wachsende Zahl von Mitgliedern eine Zinserhöhung zur Eindämmung der Inflation für notwendig halten könnte.

LUFTHANSA VOR STREIKTAG AUF TALFAHRT

Anleger verkauften Aktien aus dem Reise- und Touristiksektor, die am Mittwoch stark von einem Rückgang der Ölpreise profitiert hatten. Der Branchenindex <.SXTP> gab zwei Prozent nach. In Frankfurt büßten die Anteilsscheine der Lufthansa <LHAG.DE> mehr als drei Prozent ein. Bei der Kranich-Airline wollen die Flugbegleiter am Freitag streiken.

Auch Automobil- <.SXAP> und Technologiewerte <.SX8P> gerieten unter die Räder. Größter Dax-Verlierer waren die Papiere von SAP <SAPG.DE>, die um fast sieben Prozent abrutschten. Aktien von Luxusunternehmen mussten ebenso Federn lassen. Der europäische Branchenindex fiel um 1,4 Prozent.

Der Ölpreisanstieg schob Energiewerte hingegen ins Plus. Der europäische Sektorindex <.SXEP> für Öl- und Gasunternehmen legte um knapp zwei Prozent zu.

(Bericht von Lena Rückerl, Sanne Schimanski und Anika Ross, redigiert von Ralf Banser. Bei Rückfragen wenden Sie sich an unsere Redaktion unter berlin.newsroom@thomsonreuters.com (für Politik und Konjunktur) oder frankfurt.newsroom@thomsonreuters.com (für Unternehmen und Märkte).)



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