Wien, 10. Apr (Reuters) - Der Iran-Krieg und der damit verbundene starke Anstieg der Energiepreise trüben die Konjunkturaussichten für Österreich. Das geht aus den am Freitag veröffentlichten Frühjahrsprognosen des Wirtschaftsforschungsinstituts Wifo und des Instituts für Höhere Studien (IHS) hervor. Beide Häuser haben ihre Erwartungen für das Bruttoinlandsprodukt (BIP) deutlich nach unten revidiert. Das Wifo rechnet in seinem Hauptszenario für 2026 nun mit einem Plus von 0,9 Prozent, für 2027 mit 1,3 Prozent. Noch vorsichtiger zeigt sich das IHS, das für die beiden Jahre ein BIP-Wachstum von 0,5 beziehungsweise 0,8 Prozent erwartet. Im Dezember prognostizierte das Wifo für 2026 und 2027 noch ein Plus von 1,2 beziehungsweise 1,4 Prozent, das IHS von 1,0 beziehungsweise 1,1 Prozent.
Nach zwei Jahren der Rezession hatte die österreichische Wirtschaft 2025 zwar wieder leicht um 0,6 Prozent zugelegt, die Erholung verlor jedoch bereits gegen Jahresende an Schwung. Zu Jahresbeginn deuteten die Indikatoren noch auf eine Fortsetzung des Aufschwungs hin. Mit dem Ausbruch des Iran-Krieges und dem dadurch ausgelösten Energiepreisschock haben sich die Aussichten jedoch merklich eingetrübt. "Ohne den Iran-Krieg würde die österreichische Wirtschaft in den Jahren 2026 und 2027 um 0,5 beziehungsweise 0,3 Prozentpunkte stärker wachsen", so das IHS. Zugleich wäre die Inflation um 0,9 beziehungsweise 0,2 Prozentpunkte niedriger. Der durch den Krieg ausgelöste Preissprung bei Energie wirke damit doppelt dämpfend ? auf Wachstum und Kaufkraft.
Auch das Wifo sieht erhebliche Abwärtsrisiken. Vor allem die internationale Unsicherheit belastet laut dem Institut das Investitionsklima in der EU und trifft damit die österreichische Industrie, die bereits seit Jahren unter einer schwachen Nachfrage nach Investitionsgütern leidet. Angesichts der kaum kalkulierbaren Schwankungen bei den Preisen für Rohöl und Erdgas stützt das Wifo seine Prognose auf drei unterschiedliche Szenarien. Sollten die Kampfhandlungen bis zum Ende des Sommers andauern und wichtige Infrastruktur beschädigt werden, droht im pessimistischen Szenario ein deutlich stärkerer Einbruch. Bei einem Ölpreis von bis zu 120 Dollar pro Barrel würde das Wirtschaftswachstum 2026 auf nur noch 0,2 Prozent und 2027 auf 0,4 Prozent zurückfallen.
Trotz der hohen Energiepreise dürfte die Inflation weiter zurückgehen, allerdings langsamer als bislang erwartet. Das Wifo prognostiziert im Hauptszenario für 2026 eine Teuerungsrate von 2,7 Prozent, 2027 von 2,3 Prozent. Das IHS erwartet für die beiden Jahre 2,9 beziehungsweise 2,4 Prozent und sieht die Inflation damit weiterhin über dem Zwei-Prozent-Ziel der Europäischen Zentralbank. 2025 betrug die Teuerung 3,6 Prozent.
Gegenwind erhält die Konjunktur auch durch die Konsolidierung der öffentlichen Finanzen. Das Wifo sieht für 2026 ein Defizit von 4,1 Prozent des BIP und für 2027 von 4,0 Prozent. Das IHS geht von Defiziten von 4,2 beziehungsweise 4,1 Prozent aus. Damit würde Österreich deutlich über der Maastricht-Vorgabe der EU von drei Prozent bleiben.
(Bericht von Alexandra Schwarz-Goerlich, redigiert von Elke Ahlswede. Bei Rückfragen wenden Sie sich bitte an unsere Redaktion unter berlin.newsroom@thomsonreuters.com (für Politik und Konjunktur) oder frankfurt.newsroom@thomsonreuters.com (für Unternehmen und Märkte).)