| (neu: Experten, Ifo zu Reisebranche, Tourismusverband) | |
| * | Inflationsrate springt im März auf 2,7 Prozent |
| * | Kriegshandlungen in Nahost schlagen auf Preise durch |
| * | Spritpreise ziehen um 20 Prozent an, Heizöl UM 44 |
| Prozent | |
| * | Experte erwartet auch bei Waffenruhe höhere Inflation |
| im April | |
| Berlin, 10. Apr (Reuters) - Die Verbraucher sind wegen | |
| der Folgen des Iran-Krieges mit einem Inflationsschub | |
| konfrontiert und müsse sich womöglich auf weiter steigende | |
| Preise einstellen. Im März kletterte die Teuerungsrate auf 2,7 | |
| Prozent, nach 1,9 Prozent im Februar, wie das Statistische | |
| Bundesamt (Destatis) am Freitag mitteilte. Es ist der höchste | |
| Wert seit Januar 2024. "Insbesondere Kraftstoffe und Heizöl | |
| haben sich für die Verbraucherinnen und Verbraucher seit Beginn | |
| des Iran-Kriegs sprunghaft verteuert", sagte | |
| Destatis-Präsidentin Ruth Brand zur Preisentwicklung im März. | |
| Mit der Teuerungsrate von 2,7 Prozent dürfte das Ende der | |
| Fahnenstange noch nicht erreicht sein: "Ein Anstieg der | |
| Inflation in den kommenden Monaten über die Drei-Prozent-Marke | |
| ist nicht unwahrscheinlich", sagt Sebastian Dullien, | |
| wissenschaftlicher Direktor des gewerkschaftsnahen Instituts für | |
| Makroökonomie und Konjunkturforschung (IMK). | |
Der bisher beobachtete Inflationsanstieg sei nur der Anfang. "Auch, wenn der Waffenstillstand im Mittleren Osten hält, dürfte die Inflation im April weiter steigen", meint der Experte. Fürs Tanken mussten die Autofahrer im März bereits weit tiefer in die Tasche greifen: Kraftstoffe verteuerten sich gegenüber dem Vorjahresmonat um satte 20,0 Prozent. Die Preise für leichtes Heizöl erhöhten sich sogar um 44,4 Prozent: "Diese deutlichen Preissprünge resultierten maßgeblich aus den Kriegshandlungen im Iran und im Nahen Osten und der dadurch ausgelösten Preisentwicklung auf dem Rohölmarkt", so die Statistiker.
Seit Mittwoch gilt eine zweiwöchige Waffenruhe im Iran-Krieg. "Allerdings bleibt diese brüchig, und die Verhandlungen für einen langfristigen Frieden dürften angesichts der sehr weit auseinanderliegenden Positionen sehr schwierig werden", meint Commerzbank-Ökonom Vincent Stamer. Auch wenn es zu keiner neuerlichen Eskalation komme, dürften gegenseitige Drohungen zur Normalität werden. Ein wichtiger Streitpunkt dürfte die für den Öl- und Gastransit wichtige Straße von Hormus bleiben: "Aktuell ist der Verkehr in der Meerenge de facto noch eingestellt, und auch in Zukunft dürfte es immer wieder zumindest zu Einschränkungen kommen."
Der Nahost-Konflikt trübt auch das Geschäftsklima bei Reisebüros und Reiseveranstaltern. Der Branchenindikator des Ifo-Instituts fiel im März auf minus 41,7 Punkte, nach minus 14,8 Punkten im Februar. Die Unternehmen beurteilten ihre aktuelle Lage erheblich zurückhaltender als noch im Februar, auch die Geschäftserwartungen haben sich deutlich verschlechtert: "Die geopolitische Situation führt zu hoher Verunsicherung bei Reisenden und Reiseunternehmen, besonders für Reisen über die Golfstaaten im Nahen Osten", sagte Ifo-Branchenexperte Patrick Höppner.
Laut dem Präsidenten des Deutschen Tourismusverbandes, Reinhard Meyer, haben die "enorm hohen Spritpreise" auch starke Auswirkungen auf den Deutschlandtourismus. Denn das Auto sei mit 73 Prozent das beliebteste Verkehrsmittel der Deutschen beim Reisen: "16 Prozent der Deutschen ändern beziehungsweise stornieren aktuell ? laut unserer Blitzumfrage mit dem Deutschen Institut für Tourismusforschung ? ihre Reisepläne auch aufgrund der Preisanstiege", erklärte Meyer jüngst.
(Bericht von Reinhard Becker, redigiert von Elke Ahlswede. Bei Rückfragen wenden Sie sich bitte an unsere Redaktion unter berlin.newsroom@thomsonreuters.com)