| * Israel und Libanon wollen wohl auch verhandeln | |
| * | Ölpreise steigen - Hormus weiter blockiert |
| * | Rüstungsaktien werden verkauft |
| * | US-Inflationsdaten im Blick |
| (Neu: Europäische Börsen) | |
| Frankfurt, 10. Apr (Reuters) - Vor den | |
| Iran-Friedensgesprächen und US-Inflationsdaten haben die Anleger | |
| am deutschen Aktienmarkt die Nerven behalten. Der Dax <.GDAXI> | |
| stabilisierte sich am Freitag zusehends und lag gegen Mittag 0,5 | |
| Prozent höher bei 23.930 Punkten. Am Donnerstag hatte er 1,1 | |
| Prozent verloren, da Anleger an der Tragfähigkeit der Waffenruhe | |
| zweifelten. Doch nun sollen unabhängig von den US-iranischen | |
| Verhandlungen am Samstag in Pakistan einem Insider zufolge auch | |
| separate Gespräche zwischen Israel und dem Libanon in der | |
| kommenden Woche in Washington stattfinden. | |
"Das ist von Bedeutung, weil der Libanon ein potenzieller Hauptstreitpunkt im Zusammenhang mit dem Waffenstillstand war", schrieben Analysten der Deutschen Bank in einer Mitteilung. Mit den schwersten Angriffen auf den Libanon seit Kriegsbeginn hatte Israel die zwischen dem Iran und den USA vereinbarte Feuerpause in Gefahr gebracht. "Diese Hoffnung auf eine Deeskalation im Libanon trug dazu bei, die Befürchtungen zu zerstreuen, dass die umfassendere Waffenruhe vor den Gesprächen an diesem Wochenende scheitern könnte."
An den Börsen könnte es Strategen zufolge trotzdem volatil bleiben. Solange die USA und der Iran auf ihre Maximalforderungen beharrten, sehe es nicht nach Entspannung aus, sagte Robert Greil, Chefstratege von Merck Finck. "Der Druck auf die Trump-Administration ist allerdings allein schon wegen der Zwischenwahlen im Herbst immens hoch, den Krieg zu beenden."
Abseits von der geopolitischen Lage dürften die erwarteten Inflationsdaten aus den USA richtungsweisend sein. Experten rechnen angesichts der Kriegsauswirkungen im März mit einer gestiegenen Rate. Sollte der Anstieg stärker als erwartet ausfallen, würde das die Diskussionen über Zinserhöhungen der Notenbanken noch verstärken und damit auch die Aktienmärkte belasten, sagte Portfoliomanager Thomas Altmann vom Vermögensverwalter QC Partners.
Die Feinunze Gold <XAU=> verbilligte sich im Vorfeld um 0,2 Prozent auf 4752,67 Dollar. Seit Beginn des Iran-Krieges Ende Februar ist der Preis des Edelmetalls um rund zehn Prozent gefallen. Die stark gestiegenen Energiepreise schürten Inflationsängste und Spekulationen auf höhere US-Zinsen.
Die Sorgen über weitere Unterbrechungen der Ölversorgung im Nahen Osten trieben unterdessen die Preise für Rohöl-Sorte Brent aus der Nordsee und US-Öl WTI <CLc1> um je 0,6 Prozent auf 96,47 und 98,52 Dollar je Barrel (159 Liter) hoch. Alle Augen seien weiterhin fest auf die Tankerströme in der Straße von Hormus gerichtet, um Anzeichen für eine verstärkte Aktivität zu erkennen, sagte IG-Marktanalyst Tony Sycamore. In dieser Woche haben beide Kontrakte bisher elf Prozent an Wert verloren, der größte wöchentliche Rückgang seit Juni 2025. Am Dienstag hatte US-Präsident Trump seine Zustimmung zu einem zweiwöchigen Waffenstillstand mit dem Iran erklärt, der an die Bedingung geknüpft ist, dass die Straße von Hormus wieder geöffnet wird.
Aktien von Rüstungsunternehmen flogen aus den Depots. Der europäische Sektorindex <.SXPARO> verlor rund ein Prozent. "Die bittere Logik der Börse: Waffenstillstände sind reinstes Gift für Rüstungskonzerne", sagte Frank Sohlleder, Analyst bei ActivTrades. Die rote Laterne im Dax hielten die Papiere von Rheinmetall <RHMG.DE>, die um 5,8 Prozent abtauchen. Die Aktie kämpfe bereits seit Oktober vergangenen Jahres vergeblich darum, ihren Aufwärtstrend wieder aufzunehmen, sagt Sohlleder. Papiere von Hensoldt <HAGG.DE> waren mit einem Minus von 5,2 Prozent größter MDax <.MDAXI>-Verlierer. Aktien von Renk <R3N.DE> fielen um 4,3 Prozent.
Die Aktien des französischen Catering- und Dienstleistungskonzerns Sodexo <EXHO.PA> brachen angesichts einer enttäuschenden Geschäftsentwicklung um mehr als zehn Prozent ein. "Sodexo hat ein sehr schwaches Ergebnis für das erste Halbjahr gemeldet, selbst im Vergleich zu den bereits gesenkten Erwartungen", sagen Analysten von JP Morgan. Die Gewinnwarnung für 2026 sehe "noch besorgniserregender" aus.
(Bericht von Anika Ross, redigiert von Elke Ahlswede. Bei Rückfragen wenden Sie sich an unsere Redaktion unter berlin.newsroom@thomsonreuters.com (für Politik und Konjunktur) oder frankfurt.newsroom@thomsonreuters.com (für Unternehmen und Märkte).)