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Merz sieht Afrika als "Kontinent der Chancen", Wirtschaft drängt
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Von der Leyen: EU als Exportmarkt doppelt so wichtig wie China
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EIB kündigt Investitionen in Erneuerbare Energien an
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Merz: Afrika sollte zwei ständige Sitze im UN-Sicherheitsrat haben
| (Durchgehend neu) |
| - von Andreas Rinke |
| Luanda, 24. Nov (Reuters) - Die Europäer haben auf dem |
| EU-AU-Gipfel in Angola um eine stärkere Zusammenarbeit mit |
| Afrika geworben. "Afrika ist ein Kontinent der Chancen", sagte |
| Bundeskanzler Friedrich Merz am Montag auf dem Treffen mit den |
| Ländern der Afrikanischen Union (AU) in Luanda. "Afrika |
| exportiert in die EU mehr als doppelt so viel wie nach China", |
| sagte EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen bei dem |
| Treffen mit mehr als 40 Staats- und Regierungschefs beider |
| Kontinente. Zuvor war die Zusammenarbeit mit Afrika bereits |
| Thema auf dem G20-Gipfel der größten Wirtschaftsnationen in |
| Südafrika am Wochenende gewesen. |
Die EU-Kommissionspräsidentin und der Kanzler betonten, dass sie die Einrichtung einer Freihandelszone in Afrika mit 1,3 Milliarden Menschen unterstützten. Elf der 20 weltweit am schnellsten wachsenden Volkswirtschaften lägen in Afrika, sagte Merz. "Das Potenzial ist ganz offensichtlich." Er erinnerte daran, dass die Länder der EU zusammen die größten Handelspartner und Investoren in Afrika seien. "Wir stärken Afrika und gleichzeitig diversifizieren wir unsere Lieferketten." Damit böten sich auch für deutsche Unternehmen Chancen auf einem sehr schnell wachsenden Markt. Die afrikanischen Länder verfügen über große Rohstoffvorkommen, von Erdgas, Gold bis zu Seltenen Erden.
Von der Leyen erinnerte daran, dass es zuletzt 2022 ein Treffen der EU mit der Afrikanischen Union (AU) gegeben hatte. Heute würden Protektionismus und Überkapazitäten die Weltwirtschaft durcheinanderbringen. Ohne China zu nennen, sagte sie, dass andere Länder oft ihre eigenen Arbeiter in neue Fabriken in Afrika brächten und die Länder in eine Verschuldung stürzten. "Das ist nicht der europäische Weg." Der Vorsitzende der AU-Kommission, Mahmoud Ali Youssouf, sagte, Afrika werde immer mehr zu einer globalen Wachstumskraft und verfüge über große Märkte, Arbeitskräfte und Ressourcen.
Die Europäische Investitionsbank (EIB) kündigte an, dass sie in den nächsten zwei Jahren mehr als zwei Milliarden Euro für Projekte im Bereich erneuerbarer Energien auf dem afrikanischen Kontinent bereitstellen wolle. Zu den Projekten gehören Wasserkraft-, Solar- und Windkraftwerke sowie der Ausbau und die Modernisierung von Übertragungs- und Verteilungsanlagen.
Auch aus der deutschen Wirtschaft kommt Druck: Beschlüsse müssten zügig in Projekte, neue Lieferketten, Rohstoffpartnerschaften und lokale Wertschöpfung in Afrika übersetzt werden, forderte Christoph Kannengießer, Hauptgeschäftsführer des Afrikavereins. "Afrika ist nicht länger der Randmarkt von gestern, sondern der Partnerkontinent von heute und morgen", sagte er. "Wir sollten hier nicht Zuschauer sein, sondern selber viel stärker mitgestalten." Hintergrund ist, dass etwa China, aber auch Indien sich sehr stark in Afrika engagieren.
Merz unterstrich zudem die politische Zusammenarbeit mit Afrika. "Wenn der Sicherheitsrat über Krisen in Afrika berät und entscheidet, dann muss Afrika mit am Tisch sitzen", sagte Kanzler Merz in Anspielung auf die angestrebte Reform des UN-Sicherheitsrates. "Deutschland unterstützt daher die Forderung nach zwei ständigen afrikanischen Sitzen im Sicherheitsrat der Vereinten Nationen." Europa und Afrika hätten zusammen mehr als 40 Prozent aller Stimmen in den Vereinten Nationen. Auch Deutschland will bei der geforderten Reform des höchsten UN-Gremiums zusammen mit Japan, Brasilien und Indien je einen ständigen Sitz erhalten.
Merz betonte zudem, dass Deutschland sich bei den großen Krisen auf dem afrikanischen Kontinent engagiere. Das Leid der Menschen im Sudan etwa sei unermesslich. Mehr als 25 Millionen Menschen und damit mehr als die Hälfte der Bevölkerung litten an Hunger. Deutschland sei einer der größten Geber humanitärer Hilfe. Der Kanzler zeigte sich zudem besorgt über die Lage in der Sahel-Zone, wo Islamisten Regierungen wie in Mali zunehmend unter Druck setzen.
(Bericht von Andreas Rinke, Miguel Gomes; redigiert von Sabine Ehrhardt Bei Rückfragen wenden Sie sich bitte an unsere Redaktion unter berlin.newsroom@thomsonreuters.com (für Politik und Konjunktur) oder frankfurt.newsroom@thomsonreuters.com (für Unternehmen und Märkte).)