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25.11.2025 /10:17:54
FOKUS 1-FT: EZB prüft Vorwürfe zu Bilanzpraktiken der Deutschen Bank

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Ex-Mitarbeiter wirft Bank zweifelhafte Praktiken vor

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Deutsche Bank: Halten uns an Bilanzierungsstandards

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EZB prüft Netting im Rahmen der üblichen Aufsicht
 
(neu: Deutsche Bank, EZB, Hintergrund)
London/Frankfurt, 25. Nov (Reuters) -

Die Europäische Zentralbank (EZB) prüft einem Zeitungsbericht zufolge Vorwürfe eines ehemaligen Mitarbeiters der Deutschen Bank <DBKGn.DE> zu ihren Bilanzierungspraktiken. Es gehe um Anschuldigungen, wonach das Frankfurter Geldhaus Risiken in seiner Bilanz zu niedrig angesetzt und ein irreführendes Bild seiner Finanzstärke gezeichnet habe, berichtete die "Financial Times" (FT) am Dienstag unter Berufung auf mit der Angelegenheit vertraute Personen. Die Notenbank fungiert auch als Aufsichtsbehörde für die Großbanken der Euro-Zone. Die EZB wollte sich zu dem Bericht nicht äußern, die Deutsche Bank wies die Vorwürfe zurück.

Der ehemalige Investmentbanker Dario Schiraldi, der mit
der Bank in einem jahrelangen Rechtsstreit liegt, wirft ihr laut
dem Bericht in einem Schreiben an die EZB vor, ihre Bilanz
"wesentlich durch aggressive Verrechnungs- und außerbilanzielle
Buchungstechniken beeinflusst" zu haben. Beim sogenannten
Netting werden finanzielle Verpflichtungen, die sich gegenseitig
aufheben, gebündelt und gegeneinander aufgerechnet. Damit sinkt
das Kreditrisiko, und die Kapitalanforderungen werden geringer.
Mit dieser Verrechnung zeichne die Bank ein "irreführendes Bild
ihrer finanziellen Solidität gegenüber den Regulierern wie auch
den Märkten", heißt es in dem Brief, dessen Existenz von
Insidern bestätigt wurde.
 
Die Deutsche Bank erklärte, sie wende Netting "gemäß den
einschlägigen Rechnungslegungsstandards und im Einklang mit der
gängigen Branchenpraxis" an. Laut "FT" hat die EZB noch nicht
entschieden, ob sie auf Basis der Vorwürfe eine Untersuchung
einleiten oder andere Maßnahmen ergreifen werde.
 
Die Prüfung der Netting-Praktiken ist auch Teil ihrer
regulären Aufsichtsarbeit, auf deren Grundlage unter anderem
Kapitalvorgaben für einzelne Institute berechnet werden. Im
Rahmen dessen hatte die EZB auch die Praxis bei der Deutschen
Bank unter die Lupe genommen und Erkundigungen eingeholt. Ende
September kam die Bank auf eine harte Kernkapitalquote (CET 1)
von 14,5 Prozent, die deutlich über den eigenen Zielen und den
Vorgaben der EZB liegt.
 
Schiraldi hat seinen früheren Arbeitgeber auf 152
Millionen Euro verklagt. Er und fünf Kollegen waren in einem
Prozess in Mailand wegen Marktmanipulation im Zusammenhang mit
dem Skandal um die Bank Monte dei Paschi zu Gefängnisstrafen von
bis zu vier Jahren und acht Monaten verurteilt worden. Eine
Untersuchung der Deutschen Bank - unter der Leitung des heutigen
Vorstandschefs Christian Sewing - habe zu dem Urteil
beigetragen, das in der Berufung aufgehoben wurde, reklamiert
Schiraldi. Die Deutsche Bank hält die Ansprüche ihrer
Ex-Mitarbeiter für "vollständig unbegründet" und wolle sich
dagegen verteidigen, bekräftigte ein Sprecher.

(Bericht von Shivani Tanna und Balazs Koranyi geschrieben von Alexander Hübner, redigiert von Ralf Banser Bei Rückfragen wenden Sie sich bitte an unsere Redaktion unter berlin.newsroom@thomsonreuters.com (für Politik und Konjunktur) oder frankfurt.newsroom@thomsonreuters.com (für Unternehmen und Märkte).)

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