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26.11.2025 /09:07:48
FOKUS 1-Studie: Deutschland größter EU-Nettozahler - Beitrag sinkt in Flaute

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IW: 13,1 Milliarden Euro im vergangenen Jahr



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Jeder Bürger zählte im vergangenen Jahr rund 157 Euro an die EU



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Nettobeitrag dürfte 2025 wegen Konjunkturkrise weiter sinken



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"EU-Haushalt ist Spiegel der wirtschaftlichen Machtverhältnisse"





(neu: Details)
Berlin, 26. Nov (Reuters) - Deutschland bleibt einer
Studie zufolge trotz Wirtschaftskrise mit Abstand der
Nettozahler Nummer eins der Europäischen Union (EU). Im
vergangenen Jahr zahlte Europas größte Volkswirtschaft 13,1
Milliarden Euro mehr in den EU-Topf ein, als sie daraus erhielt,
wie eine Untersuchung des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW
Köln) zeigt. Diese lag der Nachrichtenagentur Reuters am
Mittwoch vorab vor. Die schwache Konjunktur in Deutschland macht
sich jedoch bemerkbar: 2022 lagen die Nettozahlungen noch bei
19,7 Milliarden Euro, 2023 bei 17,4 Milliarden Euro. Der
aktuelle Wert entspricht in etwa dem Schnitt der
Vor-Brexit-Jahre 2014 bis 2020 von 13,5 Milliarden Euro, als
Großbritannien noch in den Topf einzahlte.

Auf Platz zwei liegt Frankreich, das im vergangenen Jahr 4,8 Milliarden Euro mehr abführte als zurückflossen. Auf Platz drei folgt Italien mit einem Nettobeitrag von 1,6 Milliarden Euro. Größter Nettoempfänger sind demnach Griechenland mit 3,5 Milliarden Euro vor Polen (2,9 Milliarden Euro) und Rumänien (2,7 Milliarden Euro). 2023 lag hier Polen mit 8,1 Milliarden Euro klar auf dem ersten Platz.

"IN WIRTSCHAFTSKRISE WERDEN DIE BEITRÄGE KLEINER"

"Der EU-Haushalt ist ein Spiegel der wirtschaftlichen Machtverhältnisse in Europa", sagte IW-Expertin Samina Sultan. Wachstumsstarke Länder wie Polen erhielten zuletzt weniger Unterstützung. "Deutschland und Frankreich sind die Sorgenkinder der EU", fügte Sultan hinzu. "Ihre Wirtschaftskrise zeigt sich auch an den kleiner werdenden Beiträgen zum EU-Haushalt." Wegen der anhaltenden Flaute könnte die Bundesrepublik 2025 erneut weniger netto einzahlen. "Da Deutschland auch dieses Jahr, nach derzeitigen Prognosen, im Vergleich zu den anderen europäischen Ländern unterdurchschnittlich wächst, dürfte der deutsche Nettobeitrag auch für das laufende Jahr weiter abnehmen", sagte Sultan. Die EU-Kommission erwartet für Deutschland nach zwei Rezessionsjahren nur eine Stagnation. Dagegen soll etwa Frankreich im zu Ende gehenden Jahr um 0,7 Prozent wachsen, Spanien um 2,9 Prozent und die EU insgesamt um 1,4 Prozent.

Netto zahlte jeder Bürger in Deutschland im vergangenen Jahr rund 157 Euro an die EU - auch das bedeutet den ersten Platz, gefolgt von Irland mit 130 Euro. Bis 2020 hat die EU-Kommission ihre Statistik über die Nettozahler und -empfänger noch selbst veröffentlicht. Sie verzichte inzwischen aber aus politischen Gründen darauf, so das IW. "Zwar lassen sich die Effekte der europäischen Integration nicht auf die Nettopositionen der Mitgliedstaaten reduzieren, aus Transparenzgründen ist ihre Berechnung dennoch wichtig", betonte das Institut.

SONDEREFFEKT: WELTRAUMPROGRAMM

Mit 560 Euro pro Kopf fließt den Berechnungen zufolge die höchste Summe aus dem EU-Haushalt nach Luxemburg. Das sei aber auf Sondereffekte wie das Weltraumprogramm der Europäischen Union zurückzuführen, so das IW. Es folgen die drei baltischen Staaten Lettland (547 Euro), Estland (444 Euro) und Litauen (435 Euro).

Seit der Corona-Krise ergänzt der Wiederaufbaufonds
"NextGeneration EU" den Haushalt und finanziert Investitionen in
die Bereiche Digitalisierung und Klimaschutz. Rechnet man beide
Töpfe zusammen, tragen Österreich, Schweden und Irland dem IW
zufolge gemessen an ihrer Wirtschaftsleistung die größte Last ?
jeweils rund 0,5 Prozent. Deutschland folgt erst auf Platz sechs
mit 0,35 Prozent. Auf der Empfängerseite führt Lettland mit
großem Abstand die Rangliste an: Das Land erhält 3,12 Prozent,
gefolgt von Estland mit 1,93 und Kroatien folgen mit 1,73
Prozent.

(Bericht von Rene Wagner, redigiert von Sabine Ehrhardt - Bei Rückfragen wenden Sie sich bitte an unsere Redaktion unter berlin.newsroom@thomsonreuters.com)

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