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26.11.2025 /09:55:45
Flughafen-Wien-Chef: Eine dritte Piste rechnet sich nicht

Wien, 26. Nov (Reuters) - Der Vorstand des Flughafens Wien, Julian Jäger, hat den Stopp für das Milliardenprojekt einer dritten Start- und Landebahn mit fehlender Wirtschaftlichkeit begründet. "Wir sind eine börsennotierte Aktiengesellschaft, verdienen wir diese zwei Milliarden Investition rein? Und der klare Schluss war, nein, das ist nicht möglich, weil wir eben auch im Zwei-Pisten-System wachsen können", sagte Jäger am Mittwoch im ORF-Radio. Als weitere Gründe nannte er negative Rückmeldungen der wichtigsten Fluglinien wie der Lufthansa <LHAG.DE>-Tochter Austrian und dem irischen Billigflieger Ryanair <RYA.L>, den Einsatz größerer Flugzeuge sowie aktualisierte Baukosten. Die über Jahrzehnte in das Projekt geflossenen Investitionen bezifferte der Manager auf rund 90 Millionen Euro.

Der Flughafen Wien hatte am Dienstagabend mitgeteilt, das jahrzehntelange Vorhaben nicht weiter zu verfolgen. Als Folge wird eine Wertberichtigung von 55,9 Millionen Euro vorgenommen. Die Prognose für das Nettoergebnis 2025 wurde daher von rund 230 Millionen auf etwa 210 Millionen Euro gesenkt.

Für die Analysten der Erste Group kommt die Entscheidung nicht überraschend. Das Unternehmen habe bereits Anfang des Jahres eine Evaluierung des Projekts angekündigt. Die Anpassung der Gewinnprognose sei "relativ gering" und deute auf eine günstige Entwicklung des Passagieraufkommens hin. Die Analysten erwarten daher eine neutrale Marktreaktion auf die Nachricht.

Jäger begründete die neue Einschätzung zur Kapazität mit volleren und größeren Flugzeugen. "Die Anzahl der Passagiere pro Flugbewegung steigt dramatisch", sagte er. Der Investitionsfokus verschiebe sich daher von der Pisten- auf die Terminalkapazität. Mit dem bestehenden Zwei-Pisten-System könne der Airport künftig über 50 Millionen Passagiere abfertigen und damit deutlich mehr als bisher angenommen, sagte Jäger.

Massiver Druck kommt auch von Ryanair. Konzernchef Michael O'Leary hatte wiederholt die aus seiner Sicht zu hohen Gebühren und die österreichische Flugabgabe kritisiert. Als Konsequenz kündigte die Fluggesellschaft an, schrittweise fünf der 19 in Wien stationierten Flugzeuge abzuziehen und Kapazitäten ins benachbarte Bratislava zu verlagern. Jäger bekräftigte, dass die Tarife am Flughafen ab Januar 2026 im Schnitt um vier Prozent gesenkt werden. Er räumte jedoch ein, dass die Gebühren wegen der hohen Inflation in Österreich in den vergangenen Jahren stärker gestiegen seien als an anderen Standorten.

Eine dritte Piste sei damit aber nicht für alle Zukunft ausgeschlossen. Man werde jedoch frühestens in den 2040er-Jahren wieder darüber nachdenken müssen. "Für meine Zukunft am Flughafen schließe ich es aus", fügte Jäger hinzu.

(Bericht von Alexandra Schwarz-Goerlich, redigiert von Philipp Krach. Bei Rückfragen wenden Sie sich bitte an unsere Redaktion unter berlin.newsroom@thomsonreuters.com (für Politik und Konjunktur) oder frankfurt.newsroom@thomsonreuters.com (für Unternehmen und Märkte).)

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