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2026 Wachstum von 1 Prozent erwartet, 2027 dann 1,5 Prozent
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| IWF: Das sind gute Werte für Deutschland |
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| IWF: Regierung muss jetzt konsequent Reformen angehen |
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| Merz macht bereits Trendwende in Wirtschaft aus |
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| IWF: Richtige Einsatz neuer Gelder wird entscheidend sein |
| (neu: Pressekonferenz) |
| Berlin, 26. Nov (Reuters) - Die Reform der |
| Schuldenbremse bietet Deutschland nach Einschätzung des |
| Internationalen Währungsfonds die Chance auf wieder höhere |
| Wachstumsraten. Die überfälligen Änderungen für mehr |
| Investitionen in die Infrastruktur und die Aufrüstung der |
| Bundeswehr seien weitreichend, teilte der IWF am Mittwoch in |
| Berlin mit. Die Gelder müssten jetzt aber mit Bedacht eingesetzt |
| werden, um die Produktivität der Wirtschaft zu erhöhen. Zudem |
| müssten sie von Strukturreformen begleitet werden. |
Nach zwei Rezessionsjahren in Folge rechnet der IWF in seinem Länderbericht für Deutschland 2025 mit einem mageren Wachstum von 0,2 Prozent. Nächstes Jahr dürfte es aber rund ein Prozent sein, 2027 rund 1,5 Prozent. "Höher ist immer besser", sagte IWF-Ökonom Kevin Fletcher zu Journalisten. Für Deutschland seien dies gute Werte. Die Impulse durch die lockere Finanzpolitik kämen zur richtigen Zeit. Sie allein reichten aber nicht aus. Deutschland hinkte anderen Industriestaaten in den vergangenen Jahren meist deutlich hinterher.
| Fletcher attestierte der seit Mai amtierenden |
| schwarz-roten Koalition einen guten Start. Für eine |
| abschließende Bewertung sei es aber noch zu früh. Entscheidend |
| für den Erfolg der Regierung von Kanzler Friedrich Merz werde |
| die Umsetzung der Reformpläne sein, beispielsweise in der |
| Rentenpolitik. |
| Merz sieht bereits eine |
Trendwende
in der wirtschaftlichen Entwicklung. Die Regierung habe eine Menge Maßnahmen zur Entlastung der Unternehmen beschlossen, sagte der CDU-Vorsitzende im Bundestag. Die Reformen wirkten aber erst mit Zeitverzug, fügte er in Anspielung auf die ab Januar geltende Senkung der Energiekosten und Abschreibungsregeln hinzu. Er verwies auf die wachsende Nachfrage etwa beim Wohnungsbau oder steigende Zahlen zugesagter Investitionen.
| IWF: SCHULDEN SIND IM INTERNATIONALEN VERGLEICH NIEDRIG |
| Als potenzielles Risiko gilt, dass die zusätzlichen |
| Investitionen des Staates nicht richtig eingesetzt werden - wie |
| dies viele Ökonomen in Deutschland zuletzt kritisiert haben. Der |
| IWF bemängelte in diesem Zusammenhang beispielsweise die |
| Mehrwertsteuersenkung auf Speisen in Restaurants. Solche |
| Maßnahmen sollten vermieden werden. |
Laut IWF muss die Bundesregierung Reformen anschieben, die zu mehr Wachstum führen, und Maßnahmen vermeiden, die nur zu mehr Ausgaben führen. Sonst blieben die mittelfristigen Perspektiven getrübt, vor allem wegen zu geringer Produktivitätsfortschritte und der strukturell alternden Gesellschaft. Der IWF plädierte für mehr Digitalisierung, Anreize für Start-ups und damit mehr Innovationen sowie den Abbau von Bürokratie. Auf dem Arbeitsmarkt müssten Frauen, Ältere und Flüchtlinge besser eingespannt werden.
Auch auf europäischer Ebene gibt es laut IWF noch Handlungsbedarf. So sollten die Kapital- und Energiemärkte stärker angeglichen werden. Weniger Handelshemmnisse im europäischen Binnenmarkt würden nicht nur Deutschland, sondern allen EU-Staaten helfen. Die deutsche Exportindustrie setzt immer noch die meisten Produkte in Europa ab.
Die zusätzlichen Schulden der schwarz-roten Koalition werden laut IWF 2027 zu einem Haushaltsdefizit von rund vier Prozent der Wirtschaftsleistung führen, mehr als in der EU eigentlich erlaubt ist. Der gesamte Schuldenberg wird dann bei rund 68 Prozent liegen, was im internationalen Vergleich mit führenden Industrienationen aber immer noch wenig ist. Um die Finanzen in Ordnung zu bringen, empfiehlt der IWF, klimaschädliche Subventionen zu verringern, Schlupflöcher in der Erbschaftsteuer zu schließen und Ausnahmen von der Mehrwertsteuer zu kürzen.
(Bericht von Christian Krämer, Mitarbeit von Andreas Rinke, redigiert von Sabine Ehrhardt. Bei Rückfragen wenden Sie sich an unsere Redaktion unter berlin.newsroom@thomsonreuters.com (für Politik und Konjunktur) oder frankfurt.newsroom@thomsonreuters.com (für Unternehmen und Märkte).)