Frankfurt, 15. Mai (Reuters) - Die Bundesbank will sich für eine Vereinfachung der Vorschriften für die Kapitalanforderungen der Geldhäuser einsetzen. Dabei solle aber nicht die Regulierung aufgeweicht werden. Nach der Finanzkrise 2008 seien bei den Mindestanforderungen an Kapital und Liquidität striktere Anforderungen eingeführt und Schlupflöcher geschlossen worden, sagte Bundesbank-Vorstand Michael Theurer am Donnerstag in einer Rede zu einem Bundesbank-Symposium in Frankfurt. Das Ergebnis sei ein vielschichtiges, überlappendes Rahmenwerk. "Dass das zu kompliziert ist, sehen wir auch." Die Bundesbank setze sich daher innerhalb der EU und des Europäischen Systems der Zentralbanken (ESZB) dafür ein, das derzeitige Kapitalrahmenwerk zu vereinfachen.
"Ich hoffe, dass wir mit unseren europäischen Partnern dabei Erfolg haben werden", sagte Theurer, der im Vorstand der deutschen Notenbank für das Thema Bankenaufsicht zuständig ist. Banken klagen schon seit längerem über eine aus ihrer Sicht zu komplexe Regulierung. Sie fordern unter anderem mehr Proportionalität in den Vorschriften, so dass Größe und Geschäftsaufstellung der jeweiligen Geldhäuser stärker berücksichtigt werden, sowie eine Verringerung des Berichtsaufwands.
Theurer zufolge darf es aber nicht zu einer Senkung der Kapital- und Liquiditätsausstattung der Institute und damit zu weniger Widerstandsfähigkeit des Bankensystems kommen. "Unsere Linie ist dabei unmissverständlich: Reduzierung des Erfüllungsaufwands ja; Absenkung oder Aufweichung von Mindeststandards nein."
(Bericht von Frank Siebelt, redigiert von redigiert von Myria Mildenberger. Bei Rückfragen wenden Sie sich bitte an unsere Redaktion unter berlin.newsroom@thomsonreuters.com (für Politik und Konjunktur) oder frankfurt.newsroom@thomsonreuters.com (für Unternehmen und Märkte).)